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dortigen Kirche aufgestellt. Aber wunderbarer Weise erschien es nach jederUebertragung nach der Stadt sogleich wieder auf den Aesten derselben Linde.Hier ließ man es nun, und als bei demselben große Wunderzeichcn ge-schahen, wurde der Lindenbaum, auf welchem dastzBild stand, mit einerKapelle umgeben."

Eine andere Sage, und zwar die des protestantisch-lutherischen Volkesder Umgegend, wie sie von Clagius, dem zweiten Geschichtschreiber der Hei-ligclinde im Jahre 1659 bekannt gegeben ist, erzählt folgendermaßen: „Einin Rastenburg zum Tode verurthcilter Verbrecher schnitzte auf Befehl einerErscheinung der h. Jungfrau im Gefängnisse eine Statue derselben mit demJesukindlein auf den Armen während einer Nacht künstlich aus, wurdedarauf am folgenden Tage von der Strafe befreit und setzte gemäß demBefehle der Erscheinung die Statue auf einen Lindenbaum am Wege vonRastenbnrg nach Rössel au der Stelle, wo jetzt die Heiligelinde liegt." Nachderselben Sage wurde ein des Weges fahrender adliger blinder Herr, , dessen,Diener das Bild in überirdischem Glänze schaute, von diesem zum Linden-baum geführt und erlangte hier, nachdem er den Baum berührt und an-dächtig gebetet, das Licht der Augen wieder. Auch erblickten sehr bald Hir-ten, durch ihre blöckenden Heerden, welche rings uck die Linde in die Knieegesunken waren, aufmerksam gemacht, das Bild in überirdischem Glänze,erzeigten demselben ihre Verehrung und verbreiteten die Nachricht von demGeschehenen in der Umgegend. Die Bewohner von Rastenburg brachten nundie Statue mehrmals in Prozession in ihre Kirche; da aber das Bild immerwieder von hier verschwand und auf der Linde sich zeigte, wurde um dieseeine Kapelle gebaut. Der Lindenbaum soll auch während des Wintersgrüne Blätter besessen haben.

Eine andere von Lewald, dem bekannten Schriftsteller und Couvertitenaus Ostpreußen, mitgetheilte Sage berichtet, durch eine geraubte Christen-jungfrau sei ein vornehmer Heidenjüngling zum Christenthum bekehrt wor-den und dieser habe aus Dankbarkeit dafür die Kirche zu Heiligeliude ge-baut. Lewald, der die Heiligelinde besucht, schreibt dann noch als Augen-zeuge: „Und wie die Sage seit Jahrhunderten verkündet hatte, so sah ichauch die Wipfel draußen alle, alle wie zum ehrfurchtsvollen Gruße nach der'Kirche tief zur Erde gesenkt."

Nach einer vierten Sage soll ein auf der Jagd im Sumpfe bei Hei-ligelinde verirrter Herr, schon dem Versinken nahe, durch die tief herab-hängenden Aeste eines Lindenbaumes vom Untergange sich gerettet und ausDankbarkeit dafür an jener Stelle eine Kirche gebaut haben.

Andererseits sind in neuerer Zeit zwei Vermuthungen über den Ur-sprung von Heiligeliude aufgestellt worden. Die eine geht dahin: In ural-ter Zeit befand sich in Heiligeliude ein heidnisches Heiligthum in Form einesgroßen schattigen Lindenbaumes. Denn die Heiden in Preußen verehrten