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Diq HrMgelinde, Wallfahrtskirche zur h. Jungfrau.
er berühmteste Wallfahrtsort zur h. Jungfrau in der DiözeseErmeland und der Provinz Oftpreußen ist die Kirche zu Hei-ligelinde in der Nahe der Städte Rössel und Rastenburg auf der Grenzeder Landschaften Ermeland, Barthenland und Masuren. Seit Jahrhundertenschon ist dort jährlich eine nach vielen Tausenden zählende Menschenmengeaus Preußen, Polen, Litthauen zusammengeströmt und Könige, Fürsten, Bi-schöse haben dorthin nicht selten Wallfahrten unternommen. Vergangenheitund Gegenwart wissen von zahlreichen, an jenen Ort sich knüpfenden auf-fälligen Gebetserhörungen zu berichten, die zufolge von dorthin zu Ehren derh. Jungfrau gemachten Gelübden eintraten. Die Kirche zu Heiligelinde ge-hört, obwohl sie durch den Zahn der Zeit in manchen Theilen gelitten, zuden schönsten in Preußen, und der Gottesdienst erscheint dort zur Wall-fahrtszeit feierlicher, großartiger, mannigfaltiger, volkstümlicher, als in an-deren Kirchen, da eben Leute ans verschiedenen Gegenden, verschiedenenStammes, verschiedener Sprachen dort zusammen kommen; auch Protestantenerscheinen dort nicht selten von nah und fern, verrichten ihr Gebet und er-füllen Gelübde, die sie nach Heiligelinde gemacht. Selbst die Natur ladetdazu ein, den Ort zu besuchen und das Heiligthum derjenigen zu betreten,welche von der Kirche so oft mit edlen Gegenständen und Erzeugnissen derNatur, dem Cedernbaume, der Palme, wohlriechenden Kräutern, der Wasser-quelle u. s. w. verglichen wird. Anmuthig hebt sich die Kirche und Ort inder freien Natur, zwischen dem Waldesgrün, den lang sich hinstreckendenSeen Denau und Wirbel und den beiden Hügelrücken, welche Kirche, Thalund Seen bekränzen, ab.
Ueber die Entstehung dieser Wallfahrtskirche haben wir mehrere Sagen,welche nachstehend mitgetheilt werden.
Der ermländische Geschichtschreiber Leo erzählt nach dem Büchlein,welches Ciaritius, geboren zu Wartenburg, von 1609—1616 Erzpriester inAllenstein, dann zu Bischofstein sich aufhaltend, im Jahre 1626 herausgabund dem Könige Sigismund III. von Polen widmete, den Ursprung derHeiligelinde so: „Es stand dort seit alters ein vielästiger, schattenreicherLindenbaum. Auf diesem war fast von der Gründung des Christenthumsin Preußen ab ein wunderbares Bild der h. Jungfran, welche das Jesu-kind in ihren mütterlichen Armen trug, zu sehen. Anfangs erwiesen ihmnur die benachbarten Bewohner Verehrung; aber sein Ruf verbreitete sichbald weithin, erfüllte ganz Preußen mit Staunen und feuerte zur Verehr-ung der h. Jungfrau mächtig an. Nun wurde das Bild von der Lindeweggenommen, mehremal nach der Stadt Rastenburg gebracht und in der