Druckschrift 
2: 1887
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predigen, und nicht nur die Gnade das Wort Gottes zu predigen, sondernauch in allen Sprachen, wie solches ausführlich in der heiligen Schrift er-zählt wird, im Evangelium und in der Apostelgeschichte. So kann er auchuns die Fähigkeit verleihen, dieses Kreuz mit dem Bilde zu machen.

Unter beiderseitigem Einverständnisse machten sich nun diese beidenBrüder mit einigen Begleitern auf den Weg, um das für Anfertigung desKreuzes und Bildes Jesu Christi geeignete Holz zu suchen. Zuerst durch-wanderten sie die Mark von Mariengarten, welche man gewöhnlich Mal-gaerden nennt, dann die Mark von Zegelen, aber sie fanden kein Holz undkeinen Baum, der ihnen tauglich schien. So gingen sie in die dritte Mark,nämlich die von Ryst; als sie dort lange von Baum zu Baum gegangen,kamen sie endlich zu zwei Hofstätten, deren eine Hundewinkel, die andereSuben bis auf den heutigen Tag genannt werden. Dort fanden sie einenBaum, der nicht auf dem Grunde dieser beiden, noch einer andern Hofstättestand, sondern auf dem Grunde der Gemeindemark von Ryst. Niemandwußte, von welcher Art dieser Baum war; es war keine Eiche, keine Buche,keine Erle, noch ein anderer Baum dieser Gegend. Denn von allen anderenBäumen dieses Landes unterschied er sich in der Rinde, in dem Holze undin allem Uebrigen, besonders in den Blättern. Denn während die anderenBäume dieser Gegend grüne Blätter trugen, trug dieser rothe Blätter, seinHolz aber war dem der Eiche mehr ähnlich. Dieser Baum nun schien ihnenfür das Kreuz und das Bild Jesu Christi geeignet und gefiel ihnen sehr.

Der genannte Bruder Johannes bat also den Hausherrn Hundewinkel,er möge ihm den Baum zum Geschenke oder für Geld überlassen, denn derBaum stand nahe an der Hecke seines Gartens. Hundewinkel antwortete:„Theurer Herr, mein Nachbar Sube, den ihr kennt, hat ein Recht auf den-selben. Denn als wir Bauern in Ryst wie gebräuchlich das Brennholzvertheilten, fiel dieser Baum, der niemals Früchte trägt und von demNiemand weiß, zu welcher Gattung er gehört, ihm zu. Eigentlich hätte ermir zufallen müssen, weil er so nahe an meiner Hecke steht. Um aber mirnicht wehe zu thun, hat er bis jetzt diesen Baum stehen lassen, denn ichhätte ihn wegen seiner Schönheit und der Seltenheit seiner Blätter ungernvermißt. Ihr müßt also vor Allem seine Zustimmung haben, dann werdetihr auch die meinige erhalten."

Dieser Hundwinkel nämlich glaubte, daß Sube den Brüdern nicht zu-stimmen werde, weil Sube nicht nach Lage, sondern nach Mariengarten ge-hörte. Der Bruder Johannes ging also auf den Hof Sube's und sagte zuihm: „Lieber Sube, ich bitte dich inständig, du wollest mir als Geschenkoder für Geld jenen sonderbaren Baum geben, welcher an der GartenheckeHundewinkels steht, und rothe Blätter trägt." Sube antwortete: „JenerBaum ist bei der Vertheilung des Brandholzes mir zugefallen, da er aberso nahe an der Hecke Hundewinkels steht, und der eine so nahe an der