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Als die Irrlehre Luthers auch in die Gegend von Maria-Stern ein-zudringen suchte, fand sie bei den Bewohnern keinen Eingang. Die frommenWenden ließen sich ihren heiligen Glauben nicht rauben. Die liebe MutterGottes, welche sie kindlich verehrten, ließ sie nicht der Ketzerei zur Beutewerden; und noch heutzutage ertönen ihre schönen Lieder zu Ehren derHimmelskönigin in der großen Kirche, welche zu Ende des vorigen Jahr-hunderts gebaut wurde.
Von Priestern aus dem Cisterzienserkloster Asegg wird alle Sonn- undFeiertage regelmäßig der Gottesdienst mit Hochamt und Predigt daselbst ge-feiert. Die Predigten müssen aber vorherrschend in wendischer Sprache ge-halten werden. Besonders zahlreich ziehen die frommen Wallfahrer nachRosenthal am Osterdienstage, Psingstdienstage, Maria Heimsuchung undMaria Geburt.
Von den zahlreichen Gnaden, welche die seligste Jungfrau hier ge-spesdet hat, führen wir nur einige an.
Georg Zmi, aus Crostwitz gebürtig, war in Folge verschiedener Krank-heiten beinahe blind geworden. Seines Augenlichtes beraubt ließ er sich vonseiner frommen Mutter, welche von verschiedenen Gnadenerweisungen unsererlieben Frau von Rosenthal gehört hatte, dahin führen und flehte zur MutterGottes um Hülfe. Als Georg des folgenden Tages vom Schlafe erwachte,hatte er sein vollkommenes Augenlicht wieder, das er auch bis zu seinemTode im Jahre 1684 behielt.
Georg Petasch, Schullehrer vom Dorfe Nebelschitz, hatte einen 9jährigenSohn, der von den heftigsten Schmerzen am Fuße geplagt wurde. Da alleHoffnung auf Heilung verschwand (der Fuß fing schon an zu eitern undkleine Knochen fielen aus der Wunde heraus) brachte die Mutter den Knaben,der nur mit Krücken gehen konnte, nach Rosenthal und empfahl ihn derMutter der Gnaden. Augenblicklich konnte der Knabe ohne Krücken gehen,ließ die Krücken zurück, und ging ohne Schmerzen nach Hause, wo er sichbald vollkommener Gesundheit erfreute.
Rosenthal ist rings von Protestanten umgeben, die leider die liebeMutter Gottes nicht kennen und verehren. Doch die vielen hier geschehenenWunder ziehen auch diese zu der Gottesmutter hin, und auch sie finden Er-hörung. Von den Zeugnissen, die hierüber vorliegen, sollen zwei Erwähnungfinden.
Georg Sende, Pfarrer von Crostwitz berichtet: „Im Jahre 1688kamen zwei Frauen aus der Unterlausitz nach Rosenthal; an ihrer Kleidungund ihrer Gebetsart konnte man sie als Irrgläubige erkennen. Sie be-gehrten mit dem Ortspfarrer zu sprechen, entdeckten ihm dann ihr Vaterlandund die Ursache ihrer Pilgerfahrt. Die Eine sagte dem Pfarrer, sie habeschon fünf Kinder zur Welt gebracht, die theils todt zur Welt kamen, theilsnicht lange nach der Geburt starben. Nun sehe sie abermals ihrer Geburt