Die Wallfahrt znm h. Kreuz im Markts Tann.
rei Stunden von dem Zusammenflüsse des Jnns und der Salzach,an der südöstlichen Spitze des niederbayerischen Kreises liegt ineinem Thale der Markt Tann. Die Entstehung der berühmten Wallfahrtdaselbst wird von Herrn Franz Ser. Silbereisen im 25. Jahrgange desSulzbacher Kalenders folgendermaßen erzählt: Auf dem Steege zwischen derKirche und dem Schlosse zu Tann befand sich vor Alters ein Crucifix,welches aber auf unerklärliche Weise abhanden kam. „Allein nicht fürimmer sollte, so war es wohl Jesu des Gekreuzigten Wille, dies wunder-thätige Gnadenbild verloren sein. Das Verlorene ward vielmehr wiedergefunden, — und ihm war es von der göttlichen Vorsehung vorbehalten,das aus Tann zu machen, was es jetzt noch ist, „den in der Diözese Passaunach Altötting bedeutendsten Wallfahrtsort."
Es war im Jahre 1645, da fand ein „Kistler-" (Tischler-) Gesellebeim Legen eines Zimmerbodens in der Werkstätte seines Meisters etwa 2Fuß tief unter der Erde ein „Crucifix."
Als es bekannt wurde, hieß es gleich allgemein im Markte, es werdewohl jenes wunderthätige Crucifixbild sein, welches einst „am Stege" ge-standen habe, und dann, wie die Sage gehe, auf unerklärliche Weise ver-schwunden sei. Was man anfänglich meinte, das glaubte man später umso lieber, als sich dessen Wunderkrast anf's Unumstößlichste bewährte.
Erwähnter Tischlergeselle reinigte sofort das Bild vom Kothe, fandalle Züge desselben gut gearbeitet und verbesserte selbst mit geübter Hand,was es durch Unbill gelitten. So renovirt verehrte er selbes im Jahr 1649dem Herrn Mathias Kradt, Oberschreiber am Pfleggerichte Eggenselden alsHochzcitspräsent, der es in besondern Ehren hielt und öfters wnnderwirkendeKräfte an selbem erfahren hat. So bezeugte er, daß er diesem Crucifix-bilde, vor dem er und seine Familie oft betete und seufzte, im Jahre 1649,in welchem in dem von Tann 5 Stunden entfernten Markte Eggenseldendie Pest arg wüthete, es zuschreibe, daß aus seinem Hause Niemand davonhingerafft wurde. Ebenso glaubte er, daß sein Haus um dieses Crucifixeswillen, welches ihm von der Vorsehung noch zu was Besondern bestimmschien, bei der Einäscherung Eggenfeldens vom Feuer verschont blieb.
Nach dem Tode des Oberschreibers ging dieß Bildniß des Gekreuzigtenan seinen Sohn Jgnaz Kradt über, welcher damals zu Tann Marktschreiberwar, und wurde in dessen Wohnung mit größter Sorgfalt und Verehrungausbewahrt; auch von Zeit zu Zeit Andachts- und Vertrauensvollen, so wiesonstigen Befreundeten, Freunden und Bekannten zur Schau gezeigt. Dagewahrte man eines Tages zum größten Erstaunen, daß die anfänglich undursprünglich nur angeleimten Haare förmlich wachsen. Gleichwohl wollte