— 102 —
Div Steinfelskapelle zu Landau an der Isar(Niederbayern.)
n jener traurigen Zeit, als die Schweden nach der Schlacht bei Lützenauch das katholische Bayerland mit Greuel und Elend erfüllten, geschahes oft, daß die Bürger benachbarter Ortschaften einander zu Hülfe kamen,wenn es möglich war, den eignen Herd zu verlassen. So zogen denn auchim Jahre 1645 mehrere Bürger von Landau an der Isar den von denSchweden bedrängten Einwohnern von Straubing zu Hilfe. Unter ihnenbefand sich ein Bürger, Sattlermeister und Feldwebel bei der bayerischenLandfahne, Namens Christoph Christi. Die Liebe, mit der er den schwerheimgesuchten Bewohnern der Stadt Straubing beistand, sollte nicht unbe-lohnt bleiben.
Die Schweden machten wiederholte Einfälle in die Donaugegendenbald von Regensburg, bald vom bayrischen Walde her und die StadtStraubing wurde beständig heimgesucht. Bei einem solchen Einfalle derSchweden gerieth Christi in große Gefahr, gefangen zu werden; die Feinde warenihm schon so nahe, daß an eine Rettung fast nicht mehr zu denken war.In dieser höchsten Noth wendete er sich an die Patronin seines Vaterlandes,die h. Jungfrau Maria, und sein Gebet ward erhört. Es war ihm, alssehe er seine Beschützerin, die seligste Jungfrau, wie in einem Schilde überseinem Haupte schweben, und in demselben Augenblicke ließen die Schwedenvon seiner Verfolgung ab. Christi vergaß seine Helferin und Retterin nie-mals. Nachdem er zwei Jahre mit den Bewohnern Straubings die Be-schwerden und Leiden des Krieges ertragen hatte, und das Ende jenes schreck-lichen dreißigjährigen Krieges herannahte, kehrte er wieder nach Landau zurück.Dort sah er eines Tages bei einem seiner Mitbürger, dem SiebmacherWanser, ein Muttergottesbild, welches ganz genau dem glich, unter dessenSchutz er in drohender Lebensgefahr gerettet worden war. Er wendete nunAlles an, um dieses Bild in seinen Besitz zu bekommen. Es war einMariahilf-Bild. Er hatte in seinem Garten, welcher sich an einer Anhöhehinauszog, eine Höhle von Sandstein, und in dieser stellte er das Muttcr-gottesbild auf. Lange pflegte er hier still für sich seine Andacht zu verrichten.Allein die übrigen Einwohner der Stadt Landau, welche wußten, warumChristi eine solche Andacht zu diesem Bilde trage, wollten auch an seinerVerehrung der Gottesmutter Theil nehmen. Sie drangen in ihn, daß ereine Säule aufrichtete und an dieser das Bild befestigte. Die Andachts-übungen wurden bald allgemein und Viele, die in besonderen Anliegen inden Garten gingen und vor dem Bilde ihr Herz ausschütteten, fanden sicherleichtert, gestärkt und getröstet. Der Garten war nun der Garten Mariageworden, er gehörte nicht mehr dem Christoph Christi und vom Jahre 1658an, wo das Bild der seligsten Jungfrau an der Säule angebracht worden,