Druckschrift 
2: 1887
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„Ständl". Diese Kapelle mit ihrem Gnadenaltare wird weit und breit vonden Gläubigen besucht und kann wohl als die einzige Gnadenstättc der liebenMutter Gottes im unteren Saalgrunde gelten.

Diese Kapelle wurde 1739 bis 1742 ganz aus freiwilligen Beiträgenerbaut und scheint ihre Entstehung einer wunderbaren Hülfe zu verdanken,die einem Manne, der an dieser Stelle von einem Blutsturze befallen, seineZuflucht zur Mutter Gottes nahm, hier zu Theil wurde. Die Bolkssage,welche glaubwürdig zu sein scheint, meldet, daß hier am Steinthal, etwa da,wo die gegenwärtige Kapelle steht, ein Bildstock mit einem Marienbilde ge-standen habe. Hier sei einstmals ein Müller mit seinem Knechte vorbei-geritten und Plötzlich von einem Blutsturze befallen worden und habe ver-sprochen, hier eine Kirche oder Kapelle oder ein Heiligenhäuschcn zu Ehrender lieben Mutter Gottes zu erbauen. Er habe aber sein Versprechen ver-gessen, und als er einige Jahre später wieder an derselben Stelle vorbei-geritten, habe er den nämlichen Blutsturzanfall gehabt, worauf er dann,seines früheren Versprechens eingedenk, ein solches Heiligenhäuschen habe er-richten lassen.

Das Gnadenbild, ein Muttergottesbild mit dem Jesukind, befindet sichin der jetzigen Kapelle Steinthal am Muttergottesaltare rechts und hat fol-gende Inschrift: „Dies ist die wahrhafte Abbildung des heiligen Mutter-gottes-Bildniß, so zu Schweinfurt in der Spitalkirchc noch zu sehen, und vonden Inwohnern der Stadt nicht nach Würdigkeit verehrt wird. Weilen aberau diesem Ort ein Marianischcr Liebhaber in seiner Todesgefahr solche vonGott in Sinn kommene Bildniß zu verehren und zu erneuern sich vorgesetzt,so ist er aus dieser Todesgefahr glücklich genesen und wird hiermit dies un-bekannte Bildniß, so in Schweinfurt nicht nach Gebühr verehrt wird, hiergegenwärtig im Ort allen frommen Christen repräsentirt, durch

4. X. nnno 1716."

Aus einem gnädigen Dekret der Hochfürstlich geistlichen Regierung inFulda vom 18. August 1717 geht hervor, daß diese Chiffre 4. X. JohannKeck gelesen werden müsse, denn es heißt daselbst: „Auf eure beede unterm29. xussuto und 16. llugus eingeschickte Berichtschreibcn ergehet hiemitunsere Antwort: daß wir, was das erstere anbelangt, wie nämlich JohannKeck, gewesener Herrenmüller zu Hammelburg über den zu Ehren derseeligsten Jungfrau Maria am Berge des sogenannten Ständels aufgerichtetenBildstock eine Verdachung machen lassen und zu dessen Unterhaltung 20 sl.Kapital der Pfarrkirchen eingewiesen, nichts dawieder haben."

Da aber die Wallfahrer und Besucher dieses Bildes immer mehr zu-nahmen, und der beengte Raum die Menge derselben gar nicht mehr fassenkonnte, ja auch bedeutende Opfer hier anfielen, so scheint der Entschluß ent-standen zu sein, hier eine angemessene Kapelle zu bauen. Im Jahre 1739wurde der Bau begonnen, 1740 der Grundstein gelegt, 1742 war die Kapelle