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2: 1887
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Der deutscheKaiser Friedrich Barbarossa hielt mehrere Reichsversammlungenin dem gegenwärtig preußischen Städtchen Gelnhausen ab, welches überhauptzu den Lieblingsplätzen des genannten Kaisers zählte. Wie er selbst einFreund des Waidwerks war, so fand sich auch unter den versammelten Fürstenund Herren mehr als Einer, der gerne der Jagd oblag; es wurden deshalbnicht selten bis tief in den Spessart Jagden veranstaltet. Bei einer solchenGelegenheit verirrte sich einst der Kaiser und kam in die hiesige damals ganzbewaldete Gegend, wo er ermüdet, vor Durst fast verschmachtet, plötzlich aufeine klare frischsprudelnde Quelle traf, an welcher er nach Herzenslust dielechzende Zunge erlabte. Es währte eine geraume Zeit, bis ihn sein Jagd-gefolge wieder fand.

Bon dieser Zeit an Pflegte der Kaiser, da ihm das Thälchen mit seinerlabenden Quelle gefiel, dort mit seinen Gästen zu ruhen und sich mit einemfrischen Trunke zu erquicken, der köstlicher war als der edelste Wein. Zudes Kaisers Gedächtniß erhielt die Quelle durch eine auch sonst gebräuchlicheVerbindung von lateinischen und deutschen Worten den Namen „Regisborn,"der aus das später erbaute Dörfchen überging und sich allmäylig in „Rengcrs-brunn" umwandelte.

Mehrere Jahrhunderte später hütete ein Schäfer seine Heerde in derNähe des Köntgsbrunnen. Der Hund des Schäfers kroch in einen nahe-stehenden Hasclnußstrauch, die Schafe sammelten sich rings herum undwarfen sich auf die Kniee; der Schäfer wollte weiter treiben. Nachdem erden Strauch durchsucht hatte, fand er ein Bild der Mutter Gottes mit demJesukind auf dem Arme in Lebensgröße aus Holz geschnitzt. Die Sachemachte begreiflicherweise Aufsehen, das Bild wuroe erhoben und in die damalseinzige Pfarrkirche der Umgegend, nämlich nach Burgsinn, gebracht. Da esjedoch für den auserwähltcn Platz zu hoch war und der untere Theil desBildes ohnehin nur aus einem rohbehauenen Holzstücke bestand, so schnittman einen Theil davon ab. Aber, siehe! am anderen Tage stand das Bildwieder unversehrt am Brunnen.

Die Einwohner des umliegenden Dörfchens wollten nun eine Kapelleam Brunnen erbauen, das Bild dort aufzustellen, aber ihre Armuth gestatteteihnen nur die Aufführung eines Gebäudes aus Brettern. Anfänglich wall-sahrlere man blos aus der nächsten Umgegend zu dem Wunderbildc. Bietefanden Trost und Hülfe; immer größer wurde der Zusammenfluß frommerGläubigen, aus der Nähe und Ferne kamen sie herbei, die Fürbitte derh. Jungfrau in ihren Nöthen und Anliegen anzuflehen. Es flössen reich-liche Opfer, aber trotzdem dauerte es lange, bis der Bau einer Kirche, wiesie das Bedürfniß erforderte, vorgenommen werden konnte. Erst im Jahre1777 wurde die jetzige, wenn auch mäßig große, doch ausreichende Wall-fahrtskirche erbaut, wahrscheinlich vermittelst einer Beisteuer der Grafenvon Nostiz, welche damals Herren von Rieneck waren; das Wappen der-selben befindet sich an der Kanzel.