714 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Ausgabe von F. Zarncke, Leipz. SB. 15, 31—48 (1863); kleine Stücke bei Hoff-mann v. Fallersleben, Fundgruben 2,105; bei F. Zarncke, Der deutsche CatoS. 186 und bei Hauthal, Catonis philosophi über p. IX — XI. Vgl. Zarncke, Leipz.SB. 15, 24—31, wo auch über den Reim.
b) Eine andere leoninische Fassung, die sich nach der bei Hauthal ge-gebenen Probe noch enger als Martin an das Original anzuschließen scheint.Auch hier wurde der Prosaeingang nicht einbezogen. Beginn Si deus estanimus ut scripta per ethica scimus, Non tibi spernendus sed pura mentecolendus.
Ueberlieferung im Cantabr. Ee. 6. 29. Probe bei Hauthal, Catonis philosophi überp. X. Vgl. Peiper, Ztschr. f. deutsche Phil. 5,170.
In unsere Periode reichen auch noch einige französische Uebersetzungen der Distichahinein, nämlich die des Mönches Evrard (vor 1150), des Elie von Winchester und einesAnonymus; ebenso gehört wohl eine altlothringische Uebersetzung 1 noch in unsereZeit. Vgl. Schanz, Gesch. d. röm. Lit. 3 3 §521. Deutsche und niederländische Ueber-setzungen sind erst später gemacht und zu den englischen vgl. O. Goldberg, Diecatonischen Distichen in der engl, und franz. Literatur, Leipzig 1883. FranzösischeUebertragungen erscheinen in alten Katalogen zu Dover 1389 (J am es p. 461 N. 170,p. 487 N. 390), s. XV in Canterbury (James p. 218 N. 312) und 1412 bei Margarete vonFlandern; fraglich ist allerdings, ob sie in unsere Zeit gehören. Zur Geschichte derDisticha vgl. M. Boas, Tijdschr. v. Nederl. Taal- en Letterkunde 32, 101, Het Boek3,225. 4, 31. Mnemosyne 45, 445. ■— Friedr. Seiler, Deutsche Sprichwörterkunde(Leipzig 1922) S. 73—77.
4. SPRUCHLITERATUR, FLORILEGIEN, SITTENLEHREN
Schon im alten römischen Volksbewußtsein wie auch in der Literaturspielt das Sprichwort keine geringe Rolle, wie die Sprüche des Publiliusund des Sextus sowie Catos Disticha beweisen. Diese letzteren mögen beson-ders die Ursache für die versifizierten Sprichwörter des Mittelalters gewesensein. Außerdem wurde die biblische Spruchweisheit dafür zu Rate ,gezogendie ja eine reiche Fundgrube für die Geomik bot. Aber man griff auch unbe-denklich ins heidnische Altertum zurück, das in den in der Schule gelesenenDichtern eine große Menge Sentenzen in Versen barg. Diese Sprichwörterwurden dann zurechtgeschnitten und vielfach durch den Reim für denZeitgeschmack mundgerecht gemacht. Mit solchen, dem literarischen Ge-biet entnommenen Stücken wurden volkstümliche Sprüche verbunden undso entstanden Sammlungen von Sprichwörtern, die durch das Abschreibenleicht Veränderungen ausgesetzt waren. Daher sind die Spruchhandschrif-ten fast stets voneinander verschieden.
a)Proverbia Heinriciin einer ganzen Reihe von Fassungen, nämlichim Norimb. 1966 s. XII f. 120b, Vindob. 2521 s. XII f. 65, Turic. C 58/275s. XII f. 21, Monac. 14506 s. XII f. 73b (Proverbia Heinrici), Monac. 7977s. XIII f. 171b, Vindob. 1365 s. XIII f.83b. Alphabetisch angeordnete Aus-gabe von Müllenhoff und Scher er, Denkmäler deutscher Poesie undProsa 3 1, 59—66, Noten hierzu 2,135—152; Kollationen von P.Piper,Die älteste deutsche Literatur S.275L adn. Vgl. E.Voigt, Ztschr. f. dtsch.Alt. 30, 262—270.352; daselbst S. 278—280 über die Abhängigkeit vonder Bibel und von antiker Spruchweisheit. Die einzelnen Handschriftenhaben verschiedenen Bestand.
1 Vgl. Ztschr. f. rom. Philol. 19, 85.