Druckschrift 
3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
Seite
715
Einzelbild herunterladen
 

B.Didaktik 715

b) Schaeftlarner Sprüche. Mit vielen anderen, auch den ebengenann-ten Sprüchen, zeigen die in einer Schaeftlarner Handschrift erhaltenen Sprich-wörter Zusammenhang, die, regellos durcheinander geschrieben, nicht nurauf menschliche Dinge sich beziehen, sondern auch gern das Tierleben beob-achten und verführen. 1 Aus Monac. 17142 s. XII gedruckt von Watten-bach, Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, 217—220.

c)Proverbia Rustici. Sie bestehen aus 75 Hexametern und einem Pen-tameter mit meist monostichisch gehaltenen Gedanken. Der Sammler hateine Reihe von Spruchsammlungen vor sich gehabt, aus denen er meistdas volkstümliche auslas, so die Disticha Catonis, Egberts Fecunda ratis,Wipos Proverbia und das Florileg von St. Omer. Überlieferung im Leid.Bonav. Vulcanii 48 f. 41b s. XIII. Ausgabe von E.Voigt, RomanischeForschungen 3, 634—640. Der Inhalt besteht übrigens zumeist aus Sprich-wörtern, aber auch aus einigen Rätseln.

d) Proverbia rusticorum. Diese Sammlung setzt sich aus 269 franzö-sischen Sprichwörtern zusammen, denen eine lateinische Übersetzung ange-hängt ist. Die französischen Originale, sind meist sehr kurz und treffend ge-halten, sie sind durchaus volkstümlich, wie die Überschrift der Sammlungschon ausweist. Der Übersetzer hat diese Stücke in Verse gebracht und dabeiden Wortlaut der Vorlage fast stets durch Erklärungen oder kurze Aus-führung erweitert; er gibt zuweilen eine Übertragung, die nur dem Sinndes Originals gerecht wird. Sehr verschieden aber gestaltet er die Längeder Übersetzung. Die meisten seiner Stücke nämlich sind distichisch inzwei Hexametern oder in einem elegischen Distichon, tristichisch in dreiHexametern oder in einem solchen mit elegischem Distichon, tetrastichischin zwei elegischen Distichen oder in einem solchen und zwei Hexameternoder in vier Hexametern. Ein Stück (238) besteht sogar aus drei Hexameternund einem elegischen Distichon. Daneben erscheinen auch Monostichaim Hexameter oder sogar als einzelne Pentameter (77. 190). Aber auch derReim, den der Poet in seine Verse bringt, ist sehr verschieden gestaltet.Im Monostichon herrscht der Leoninus, bei hexametrischem Distichon reimenmeist die ersten und letzten Hälften der Verse, doch wird zuweilen der Reimder ersten Hälften weggelassen, oder es werden zwei Leonini nebeneinander-gestellt ohne wechselseitigen Reim; beim elegischen Distichon wird ent-weder der gleiche Reim im ganzen Distichon durchgeführt, oder die beidenVerse reimen für sich, doch so, daß auch der Pentameter leoninisch ist.Das Tristichon wird aufgelöst in die eben besprochenen Möglichkeitendes Distichons und in das leoninische Monostich, und ebenso wird das Tetra-stichon in zwei Disticha aufgelöst. Manche hexametrische Distichen zeigenauch die Trinini salientes (28,1 f. 29,1 f. 30. 79. 183. 208. 238, lf.). Auch dieEpanalepsis findet sich hier zuweilen (1. 260). Das Latein ist übrigens wenigzu loben, denn die Sprache ist oft hart und ungelenk, sie lehnt sich analte Muster nirgends an, nur daß das Wort 105 Li roge vespre signejie bei,roge matin pluie mit dem alten Vers Mane rubens celum notat imbres, sero

1 Mythologisch ist p. 217, 1 Cum pluit et mercia rerum spricht wohl für süddeut-ningit, Iovis uxor ut ebria mingit. p. 219 sehen Ursprung,(f. 109b) Hister amat Renum, qui dat com-