B. Didaktik 711
einer Zeile Zwischenraum vom letzten Gedicht überliefert wird. Läßt schondiese enge räumliche Verbindung den Glauben an Theoderichs Verfasser-schaft zu, 1 so dürfte der Stoff des Gedichtes noch in höherem Grade dafürbeweisend sein. Nämlich das Gedicht handelt über den Turm der Windezu Athen, und zwar, wie F. Ritschi nachwies, 2 in engem Anschluß anVitruv 1, 6. Denn erstens ist ja eine ähnliche solche Paraphrase (Solin) vonTheoderich wirklich ausgeführt, und zweitens sahen wir oben, daß Vitruvdiesem bekannt war.
Außer den oben erwähnten Heiligenbiographien schrieb Theoderich nochdie Passio des hl. Rumold, der im 8. Jahrhundert Bischof von Dublin ge-wesen war und als Missionar im Gebiete von Mecheln gewirkt hatte. Hierfindet sich 1, 2 ein größeres Stück aus Solin, das in seiner Überlieferungmehrfach mit Isidors Solintext stimmt, aber doch andererseits durch seineAusführlichkeit zeigt, daß es unmittelbar aus Solin genommen wurde; und1 3 verrät Bekanntschaft mit Livius 21, 37,3, da Theoderich hier von Hanni-bal meldet, daß er mit Hilfe von Feuer und Essig die Felsen der Alpengangbar gemacht habe. Ferner verfaßte er das Leben der hl. Landrada,der Äbtissin von Münster-Bilsen und zeigt in dieser Schrift Kenntnis vonVergil, Juvenal und Livius. Endlich wird ihm das Leben der hl. Amalbergabeigelegt, das allerdings erheblich schwülstiger und wortreicher in derSprache ist, als seine übrigen Heiligenbiographien, aber ihm doch vielleichtwegen Benutzung derselben Juvenalstelle zugeschrieben werden kann, dieer auch im Leben der hl. Landrada verwendet. Er starb im Jahre 1107 undes war wohl sein Nachfolger in der Abtswürde Rudolf, 3 der ihm einen grö-ßeren poetischen Nachruf widmete, in dem allerdings von wissenschaft-lichen Beschäftigungen nichts erwähnt wird. Daß aber Theoderich unter diewichtigeren Schriftsteller aus der Wende des 11. Jahrhunderts gehört, wirddurch seinen Zeitgenossen Sigebert deutlich bekundet.
Zeugnisse. Zur Stellung vgl. Rudolfi Gesta abb. Trudon. 6, 2 (MG. SS. 10, 255,1)Anno igitur . . . 1099 . . . quidam Theodericus eiusdem loci antea nutritus ad eandem ec-clesiam regendam a dom.no Otberlo episcopo et primis Leodiensium tertiis iam missis lit-teris a Flandria monasterio s. Petri Gande tandem est revocatus nescio magis an coactus etNonas Martii presbiter et abbas loci nostri est consecratus. Zur Verbannung und zur VitaTrudonis vgl. VitaTrudonis (Surius, De probatis sanctorum historiis ed. Mosander[Köln 1581] 6, 588) Gerardo suus Theodericus salutem. Exigis a me una cum jratribus meisqui lecum sunt . . . ut . . . libellum de vita b. patris nostri Trudonis tibi cudam. . . . Igitur . . .pignus hoc schedae ab exilii nostri angustia destinatum accipe. Im Prolog zur Vita Ba-vonis erzählt Theoderich, daß ihn die dortigen Mönche zur Abfassung bewogen hätten,und bittet, daß man an seine grammatischen Kenntnisse keine großen Forderungenstellen möge, Prol. 3 (Acta SS. Octobr. 1, 243) grammaticae inprimis excusatum me volo:argumentosam scilicet loquacitatem et verborum nodositatem ne requiratis; 4 adversus quosnos facile tuebuntur et fratrum quorum me ut hoc auderem coegit imperiosa auctoritas* ZurPredigt über Trudo und zu den Responsorien wie zum Leben des Heiligen zu den Prosenusw. vgl. das Auctarium zu den Gesta abb. Trud. MG. SS. 10, 387, 17 Iste dominus Theo-dericus . . . praecipuus erat in prosarum ritmorum et metrorum dictamine. Qui vitams. patris . . . Trudonis, quam dudum Donatus dyaconus . . . descripserat . . . apud Ganda-vum m cenobio s. Petri, ubi diu exulavit, urbaniori dictamine, cuius principium est ,Inexaltando igitur 1 eliquavit. Sermonem insuper, qui legitur in translatione s. Trudonis et
^ Vgl. Traube, PL. 3, 153. geführt: et Ermenricum regem quem sede-
Opuscula 3, 838. cim Arctoiae gentes perdomuisse Iordanes
Vgl. K. Hampe, Neues Archiv 22,380 f. historiographus commemorat; der Text ver-
, Vita Bavonis 1,10 p. 244 wird Jorda- rät Hinneigung zu den Hss. X Y Z (s.
ms Get. 23 (ed. Mommsen p. 88, 6f.) an- Mommsen im kritischen Apparat p.88).