710 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
bei Gelegenheit des Lykaon angeführt (Met. 1, 198ff.), und die AussageSolins 34, 1 über Joppe gibt dem Dichter Vs. 777 Gelegenheit, seine Kennt-nis von Horaz (Carm. 1, 2, 6 ff.) zu zeigen. 1 Die einzige längere Zutat zumTexte Solins 2 erfolgt Vs. 756—807 bei der Schilderung des Phönix, wo näm-lich einzelnes aus dem Phönix des Lactantius genommen wird. Eine Er-weiterung findet sich auch zu Vs. 1048ff., wo Theoderich über die moniculispricht und Augustin civ. dei 16, 8 und Isid. Et. 11, 3, 23 benutzt. DieSolinexzerpte schließen Vs. 1216 mit Solin p. 211, 5. Darauf folgt der Epilog.Fremde Bestandteile außer den schon erwähnten Kleinigkeiten besitzt dasGedicht nicht, wenn man von einer Stelle aus Vitruvius absieht, die Vs. 178f.mitten in Erzählung aus Solin 5, 17 und 18 steht. 3 Das Gedicht erhebt sichnirgends über die Versifikation von Prosa, es ist schulmäßig trocken undder Dichter macht fast nirgends den Versuch Übergänge zu neuen Abschnittenzu gewinnen. Und nach der philologischen Seite ist es ohne Bedeutung, dieVergleichung der Lesarten mit Mommsens Apparat ergibt, daß Theodericheinen Text benutzte, der den Handschriften LM (zuweilen G, vgl. Vs. 636)nahestand. Große Verbreitung kann das Gedicht nicht erlangt haben, da nureine Handschrift erhalten ist.
Aus einem zweiten Gedicht lernt man aber, daß Theoderich doch einegewisse Anlage zur Behandlung poetischer Stoffe besessen hat. Denn ein,allerdings sehr unbedeutendes Ereignis aus seinem Leben wußte er mit einemgewissen Geschmack dichterisch zu verwerten, wenn er sich hierbei auchan einen Stoff aus dem Altertum, nämlich den Culex anlehnt. Veranlassungzu dem Gedicht in 31 Distichen bot der Tod eines reizenden friesischenHündchens, das dem Dichter gehört hatte und in dessen Abwesenheit ver-endet war. Da es ohne Begräbnis geblieben war 4 und keine Grabschrifterhalten hatte, so fragt Theoderich, ob es wirklich zum Buhme der Ver-storbenen gehöre, ein Grab zu erhalten, und führt zur Verneinung der Frageden Cato und Pompejus als Beispiel an. Ein gewisser Trost liege allerdingsin dem Gedanken, begraben zu sein; sei doch sogar der Papagei der Corinnadurch Ovid unsterblich geworden und habe Alexanders Pferd Bucephalusdie letzten Ehren erhalten. Und eine Mücke sei durch das Gedicht Vergilsfür immer der Vergessenheit entrissen worden und wie jene durch Vergilberühmt geworden sei, so habe er den Ruhm und Preis seines Hundes ver-kündet. Das ganze Gedicht besitzt einen scherzhaften Ton, der namentlichaus der künstlich aufgebauschten Bedeutung des Hundes sowie aus denmit großer Gelehrsamkeit gebrachten Beispielen des Altertums heraus-klingt. Besonders hübsch ist in der ersten Hälfte die Schilderung des Hun-des gelungen, das kleine Tier ersteht in seinem Äußeren und im Wesen leib-haft vor den Augen des Lesers.
Höchst wahrscheinlich gehört dem Theoderich noch ein drittes Gedichtan, das in derselben Handschrift wie die beiden vorigen, und zwar nur mit
1 645 Nasonis monstrum notus feritate pobalsamum. Semen cassanum.Licaon. 777 Est caslrum Ioppe, quod s Dissimilis terre causam Vitruvius esseaquatica secuta Pyrre Procedit senio. Credit, dissimilem quia dat mutata saporem.
2 Außer daß der Korrektor fol. 182 a II 4 Vs. 31 Forsan corvino posuisti membrazu Vs. 807 an den Rand setzt: Arbor bal- sepulchro.
samum. Lignum xilobalsamum Fructus car-