708 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Gedicht Incipiunt nuptie. Carmine ficta levi veteris contexitur evi Fabula; das Ende heißtIungat et ad manes umbras locus unus inanes. Ueberlief erung im Meerm 471 ( =Phillipp.1694) s. XII aus St. Arnulf (in Metz) S. 193—200 und im Rem. civ. 1043. 743s. XIII f. 153—156. Kurze Proben von Wattenbach, Neues Archiv 17, 357f.
b) Priscian. In einer Einsiedler Handschrift ist die große GrammatikPriscians in leonmische Hexameter gebracht. Auch hier handelt es sich umstarke Verkürzung der Vorlage, denn das Gedicht zählt in drei Büchern1010 Verse. Ein Prolog fehlt, dagegen werden die Anfänge der Bücher imTexte bezeichnet. Manche Stellen, wie der Eingang des Ganzen, werden aus-führlicher behandelt, aber es scheint sich nur um außerordentlich trockneArbeit aus der Schule zu handeln.
Zeugnisse. Beginn De voce primus über est et partibus eius, De quid littera sit, quibuset quot partibus insit; Ende des ersten Buches Sic ab hiems hiemis, velut ex urbs nasälururbis; Anfang und Ende von Buch II Hactenus haec primus über edocet, inde secundus— Fitque soni causa, nolit licet analogia; Anfang und Ende von III Quae scribi potis estut dicitur syllaba vox est — Ecce fit ex uno sententia congrua verbo. Ueberlieferungim Einsidl. 300 s. XII p. 95—105. Kurze Proben daraus gab H. Hagen, Anecdota Hel-vetica p.LXIf. — Weitere Hss. grammatischer Gedichte sind Bern. 416. 439. 469. 519,vgl. Hagen ib. p. LIV. — Vgl. auch unter Petrus Helie.
2. THEODERICH VON ST. TROND
Theoderich war Mönch im Kloster St. Trond bei Lüttich und scheintlängere Zeit in Gent im Peterskloster geweilt zu haben. Hier bat man ihn, dieLebensbeschreibung des hl. Trudo abzufassen, und er kam diesem Wunscheauch nach, indem er die ältere vom Metzer Diakon Donatus geschriebeneVita umarbeitete. Dem Aufenthalt in Gent verdankte aber auch das St.Bavokloster ein Leben seines Heiligen, da Theoderich die alte Lebensbe-schreibung St. Bavos stilistisch aufbesserte. In Gent scheint er sich sehrwohl gefühlt zu haben, denn im Jahre 1099 mußten Bischof Otbert vonLüttich und die Großen der Stadt fast Gewalt anwenden, um seine Rück-kehr nach St. Trond zu bewerkstelligen, wo er im März 1099 zum Abt erho-ben wurde. Hier verfaßte er eine Predigt über den hl. Trudo und einigeResponsorien, die vom Prior Rudolf, der später als Abt die Geschichte desKlosters ausführlich darstellte, in Musik gesetzt wurden. Theoderich hatsich aber auch noch in andrer Beziehung literarisch betätigt, denn ineiner Fortsetzung von Rudolfs Werk wird von ihm berichtet, daß er inProsen, 1 Rhythmen und in metrischen Gedichten sich hervorgetan habe,und sein Zeitgenosse Sigebert von Gembloux erwähnt von ihm, daß er vielekleinere Gedichte geistvoll und formvollendet verfaßt habe. Wenn nunin einer großen Dichterhandschrift aus Cues mehrere Gedichte erhaltensind, die den Namen Theodericus tragen, so möchte ich diese eher demTheoderich von St. Trond zuschreiben, als dem gleichnamigen Abte vonSt. Hubert 2 oder dem Abte von Lobbes ; 3 der von dem Dichter zweimal ge-nannte Freund Stephan könnte dann der Abt Stephan von St. Jakob zu
1 Damit sind wohl seine Responsorien ge- 26 ff.), 12 p. 43, 30 ff. und 16 p. 45, 29ff.meint; vielleicht sind aber Sequenzen hier- 3 An diesen dachte Traube, Müncnn.unter zu verstehen. Abhandl. 19, 358. Zu ihm vgl. Gh. Stal-
2 Wir erfahren nämlich von diesem nur, laert et Ph. van der Haeghen, t)edaß er ein gesuchter Lehrer war. Vgl.Vita l'instruction publique au moyen äge 2 (Brus-Theod. abb. Andag. 9 (MG. SS. 12, 42, sei 1853) S. 52.