706 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Zahlensymbolik 1 fehlt nicht. Natürlich handhabt Petrus den alten Götter-apparat und die antike Heldensage. Metrische 2 und prosodische Verstöße 3finden sich nicht selten, der Reim ist wenig ausgebildet und gehört bei Petrusnicht zum Kunstmittel. 4 Auffallend ist schließlich die große Zahl von sprach-lichen Neubildungen, namentlich von Zeitwörtern auf -are und -escere.Die einzige Handschrift, die das Gedicht überliefert, ist jedenfalls unter derAufsicht des Petrus unter Diktat entstanden.
Zeugnisse. Der Titel ergibt sich aus der oben abgedruckten Unterschrift, die Auf-schriften zu den Bildern bei Winkelmann S. 73—81, die Bilder selbst in der Ausgabevon Siragusa (links Bild, rechts Text) p. 3—211. Zu Tankred vgl. 185 Ecce coronatursimia, lurpis homo, 198 Pro love semivirum, 207 Unxit abortivum que manus ausa virum.Embrion injelix, 210 brevis athome. Zu Urso 214 Egregius doctor et vir pietatis amicus Ex-plicuit causas talibus Urso michi und Winkelmann p. 74 zu fol. 10. Zu Petrus als Hi-storiker vgl. P. Block, Petrus de Ebulo etc. S. 24—39 und Zur Kritik des Petrus deEbulo S. 8—52, außerdem die Noten in den Ausgaben von E. Rota und G. B. Siragusa.Stellung zum Kaisertum vgl. 1525 ff. und 1470. Ueber die Zeit der Abfassung vgl. Win-kelmann S. 13 und P. Block, Petrus de Ebulo etc. S. 18ff. Entlehnungen aus altenDichtern schon bei Block S. 22 n. 1. Zu seltenen Worten und Neubildungen vgl. 29celestire. 54 eclipticare. 75 rostrifer. 102 gualterizare. 194 mellifluens. 205 preredimitus (263).218 f. sementare. 227 materiare. 239 maiestativus. 258 intoxicare. 352 spumescere (Ovid.Ep. 2, 87), nubescere. 410 almipater. 428 nardinas. 472 archilevita (1151). 511 obnebulare.518 inpotabilis. 521 tritea febris. 574 noctivolis. 579 anciliare. 641 balistra. 788 hastifer.857 securare. 875 protorex. 904 ensare, galeare. 955 remivagus. 1067 omnividens (1672).1116 dentipotens. 1200 fulmifer. 1203 vicepastor. 1321 exscriniare. 1359 licentiare. 1368natificare. 1395 diescere (1467). 1448 siccitare. 1477 olivescere. 1524 gripheus. 1545 javil-lare. 1574 magistrare. 1580 praeiustus. 1659 uxorare. 1663 fulvescere. 1673 gladiatus (Pris-cianj. Zur richtigen Ordnung der Lagen in der Hs. vgl. E. Sackur, Neues Archiv 15,387—392.
Ueberlieferung. Einzige Hs. Bern. 120 s.XII f.l—55, vgl. Winkelmann S. 3—11.Ausgaben von S. Engel, Basel 1746; von Del Re, Cronisti e scritt. sincroni 1, 405—439(1845); von E. Winkelmann, Des Magisters Petrus de Ebulo über ad honorem Augusti,Leipzig 1874; von Ett. Rota, Liber ad hon. Augusti di Pietro da Eboli, Rom 1906= Fonti per la storia d'Italia. Scrittori. See. XII; und von G. B. Siragusa, Petri An-solini de Ebulo De rebus Siculis Carmen, 1904 = Muratori, Script, rer. Ital. 2 31,1.Kritische Bemerkungen zu den zwei letzten Ausgaben von G. Albini, Archivio Mura-toriano 19/20, 489—508 (1917); Nachträge und Berichtigungen gibt Siragusa, Bullet-tino dell' Istituto stör. Italiano 30, 41—48.
b) De balneis Puteolanis. Die Einteilung und das Nachwort diesesGedichts haben wir oben schon kennen gelernt. Da nun in diesem Nachwortdas Gedicht über die Bäder an dritter Stelle steht und Petrus sagt, daß eralle drei Gedichte dem Kaiser gewidmet habe, so ergibt sich, daß es sichhier nur um Heinrich VI. handeln kann und daß Petrus bei der erhöhtenBedeutung der Bäder für die Deutschen in Italien dem Kaiser wohl nochin dessen Todesjahre dies eindringliche Gedicht geweiht hat. Im Einfüh-rungsgedicht 5 führt Petrus aus, daß die schrecklichen Wässer der Hölle,wenn sie an die Oberwelt gelangt seien, den Menschen außerordentlicheWohltaten brächten und die Terra di Lavoro habe ihre Heilkräfte in denWässern, während man in andern Gebieten auf andre Weise den Krankheitenbeikomme. Petrus zählt nun die verschiedenartigen Bäder von Puteoli auf,und zwar im ganzen fünfunddreißig. Daß er sie gut kennt, sagt er selbst
1 Vgl. 25—34 (34 Nam paritas numeri dis- i Vgl.150. Binnenreim 1308 nomen etomen.plicet ipsa deo). 5 Im Druck von J. C. Capacius p.36 ßei
2 Vgl. 849. Graevius, Thes. 9, 4, 5.
3 Vgl. 561. 582. 586.