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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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700 Vierter Abschnitt. Die Dichtung

eng an den Text der Gesta Friderici hält. Und man muß sagen, daß diesesbedeutende Prosawerk der Umdichtung wert war, die es empfangen hat.Denn trotz der engen Abhängigkeit des Dichters von seiner Quelle ist seinWerk doch in gewisser Weise eine freie Schöpfung, wenn man bedenkt daßer lediglich einen ästhetischen Zweck vor Augen hatte, nämlich das Helden-tum Friedrichs I. und seiner Deutschen episch zu verherrlichen. Das ganzegroße Gedicht, das in zehn Büchern 6576 Verse zählt, ist erfüllt von Patriotis-mus und vaterländischem Stolze und es ist daher sehr wohl geeignet, auchnoch jetzt, nach langen Jahrhunderten, ein lebendiges Bild von einstigerdeutscher Größe zu geben. Auf solche Weise werden die Heldentaten KaiserFriedrichs und seiner Vasallen 1 zugleich durch das große Epos dichterischverklärt, ohne etwas von der historischen Wirklichkeit einzubüßen. Dennder Dichter läßt nichts Bedeutendes aus, was er in seiner Quelle vorfand,und er hat aus eigner Kenntnis kleine Zusätze zum vorgefundenen Stoffegemacht, die fast alle den Tatsachen entsprechen.

Aber auch die formale Seite des großen Gedichts ist alles Lobes wert. Dasgilt namentlich von der außerordentlich gewandten und abwechslungs-reichen dichterischen Sprache, die den Gedanken klar und frei wiedergibt.Der Dichter hält sich hier frei von allerhand Seltsamkeiten, von gesuchtenund wenig gebrauchten Wörtern und ungesucht ist auch seine Wortstellung.Und diese Freiheit zeigt sich auch im Reim der Verse. Nämlich der Dichterverwendet wie im Solimarius Leoninus 2 und Endreim nur selten, und da erzum Bau seiner Verse nur die besten Muster nachahmt, auch die vier- oderfünfsilbigen Endworte der Hexameter 3 sowie echt monosyllabischen Aus-gang und Hiat vermeidet, die Verschleifung aber ruhig zuläßt, so unter-scheidet sich das Gedicht äußerlich nur sehr wenig von der antiken Poesie,zumal die Prosodie geradezu auffällig rein gehandhabt wird. 4 Zudem wirdder epische Fluß nur selten durch allgemeine Gedanken unterbrochen, wie4, 475ff. und 5, 481 f., er erhält im Gegenteil ein fast antikes Gewand durchmehrfache Einfügung ausgedehnter Vergleiche. 5 Viele von diesen Vergleichensind der Natur entlehnt, auch wird die gewaltige Natur der Alpenströmeeindrucksvoll geschildert. Und bei alledem erscheint der poetische Aus-druck des Dichters durchaus selbständig, obwohl natürlich Reminiszenzenan frühere Lektüre keineswegs fehlen; sie sind aber doch ziemlich verdeckteingestreut worden und drängen sich auch nicht durch ihre Häufigkeit auf.Besonders lassen sich Horaz, Vergil, Ovid und Statius erkennen, dagegenscheinen die mittelalterlichen Dichter fast ganz zu fehlen. In formaler Be-ziehung mag endlich erwähnt werden, daß der Dichter einen zu häufigenGebrauch von der Apostrophe macht.

Zeugnisse. Zur Zeit der Abfassung vgl. J. Schwarz a. a. O. S. 195. 207ff. Erwäh-nung des Solimarius 1, Uff. 729ff. 10, 648ff. Der Titel des Werkes ist gegeben in derAufschrift der Handschrift und im Werke 10, 616 noster Ligurinus, er ist genommen

1 Die Deutschen heißen im Ligurinus Ten- 3 Nur bei Eigennamen tritt vielsilbigertones oder Alamanni, Deutschland Teuto- Ausgang ein, vgl. 2, 86. 111. 505.

nia oder Alamannia, ganz selten erscheint 4 Ausnahme z. B. 2, 369 spumante, 4, 47»

Germania (6, 2. 88). düdum. ..

2 Solche Verse wie 3, 563 und 4, 420 sind 5 Vgl. 1,193ff. 237 f. 356ff. 677 ff. 2, iW-ganz selten, ebenso eine Versreihe wie 4, 375 482ff. 4, 464ff. 5, 581 ff. 6, 583ff. 7,178".—382.