A. Historische Dichtung 699
meter umdichtete. Da nur ein kleiner Teil des Gedichtes erhalten 1 und ge-druckt ist, so läßt sich nur sagen, daß der Dichter sich eng an seine Quellegehalten zu haben scheint. Die poetische Technik aber ist die gleiche wieim Ligurinus: wenig unmittelbare Entlehnungen aus der alten Poesie, 2seltener Gebrauch des Leoninus und des Endreims, selbständige poetischeSprache, Anwendung des epischen Vergleichs 3 und liebevolles Eingehenauf Vorgänge in der Natur. 4 Die Darstellung ist ziemlich ausführlich, undmit einem gewissen Behagen scheint der Dichter bei seinem poetischenWerke zu verweilen, namentlich sind die Reden der Vorlage breit aus-gemalt.
Ueberlieferung. Höchst wahrscheinlich war das Werk dem Eberhardus Alemannusbekannt, der im Laborintus (675 f. ed. Faral p. 360) sagt Christicolas acies Solimariusarmat in hostes, Christi solius plenus amore crucis; das Zusammentreffen des gleichenNamens für die Dichtung ist hier jedenfalls bedingend, und man wird an die poetischeBearbeitung von Roberts Geschichte des ersten Kreuzzugs nicht denken dürfen, die vonWattenbach im Admont. 267 s. XII hinter den Gedichten des Metellus von Tegern-see entdeckt wurde; 6 viel eher könnte dies Gedicht dem Metellus beigelegt werden,da es die gleichen Reimeigentümlichkeiten besitzt. Außer Eberhard findet sich keineKenntnis des Gedichts, und von der einzigen Hs. existieren nur noch Fragmente inKöln, Gymnasialbibl. Fragm. A 28 s. XII—XIII (4 Bll. in 12°). Der dort erhaltene Textist (teilweise?) abgedruckt von Wattenbach, Archives de l'Orient latin 1, 555—561.Und zwar sind es die Stücke bei Robert (Recueil des hist. des croisades; Hist. occid. 3,769—771) Hist. Hieros. 3, 26—29 und (3, 775—778. 780) Hist. Hieros. 4,1. 3. 6. 10.Vgl. Wattenbach 2,288. J.Schwarz a. a. 0. S. 209f. 0. Drinkwelder, Stud. u.Mitteil. z. Gesch. d. Benediktinerordens 35, 683 wünscht die Veröffentlichung des Ge-dichts aus der Kölner Hs.; es sind wohl hier mehr Fragmente vorhanden.
b) Ligurinus. Eine ganz ähnliche Arbeit unternahm der Dichter inden Jahren 1186 und 1187. Wie im Solimarius die Eroberung des hl. Grabesals eine Großtat ersten Ranges besungen wird, so werden im Ligurinus diegewaltigen Taten Friedrichs I. nach ihrer Prosadarstellung in den GestaFriderici Buch 2—4 (von Otto von Freising und Rahewin) verherrlicht, undder Verfasser hat es nicht versäumt, sein früheres Gedicht öfters zu erwäh-nen, da ihm dessen Aufnahme in der kaiserlichen Familie noch nicht rechtbekannt geworden zu sein schien. So gedenkt er des Werkes gleich in derEinführung zum Ligurinus, 6 nachdem er sich über dessen Schwierigkeit aus-gesprochen hat. Es erfolgt die Widmung in schwungvollen Versen an denKaiser, den er mit Karl dem Großen vergleicht, und an dessen vier Söhne,deren gegenwärtigen Machtbereich er gebührend hervorhebt. Darauf sprichter über sein Werk, in dem er nur die hervorragenden und tapferen TatenFriedrichs erzählen werde, aber nicht kleine Züge anbringen wolle, wie esfrühere Dichter oft bei der Besingung von Herrschern getan hätten. DieserAbschnitt (1, 100—154) leidet an einer gewissen rhetorischen Breite undversichert den Kaiser immer aufs neue der tiefsten Verehrung. Erst von1,167 an kommt der Dichter zum eigentlichen Thema, indem er sich ganz
1 Vgl. Wattenbach, Archiv d. Ges. für 6 Fragmente daraus sind abgedruckt Neues
alt. deutsche Geschichtskunde 11, 744 Ro- Archiv 2, 414ff.
bertsWerk ist gedruckt im Rec. des hist. des e Lig. 1,14 nosterque legi Solimarius audet
crois. Hist. occid. 3, 717—882. Atque etiam jortasse placet; quem gratulor
Vs. 78 p. 557 degrandinat aus Ovid. Fast. ante Regales penetrasse domos puerique po-
4, 755. Vs. 89 figmenta poetica nach Sedul. lentis Ingenuas tetigisse manus. Praeludia
fj*M?. quaedam Illud opus ceu prima novae tenta-
Vs. 88ff. p. 557. mina Musae Et munus puerile fuit.4 Vs. 158—153 p. 559.