166 Erster Abschnitt. Die Theologie und Philosophie
f) In novem antenatalitias antiphonas. Die kleine Schrift hatmeist allegorischen Inhalt und spricht im Anfang über die Menschwer-dung Christi und über die mystische Bedeutung der neun Tage vor seinerGeburt. Dann werden die neun mit 0 anfangenden Antiphonen erst allge-mein behandelt und hierauf einzeln nach den Anfangsworten und nachden Hauptteilen ihres Wortlautes zu erklären versucht.
Prolog (Migne 204, 41) Et nunc quidem breve hoc opusculum ad te scribimus, cui infronte praefigitur titulus ,Quid significent novem 0 et quae sit dierum illorum ratio'. Aus-gabe bei Pez, Thesaur. 4, 3, 51—67 =Migne 204, 41—52.
g) Vita s. Pelagiae. Reiner legte seiner Schrift eine Bearbeitung desgriechischen Originals zugrunde, die von einem Eustachius verfaßt ist. 1Er tadelt deren schlechten Stil und verspricht eine bessere Fassung. Undseine Zusage hat er auch wirklich gehalten, denn er hat den an sich sehr be-scheidenen Stoff zu einer lebendigen Erzählung gestaltet. Von Interesse ist1, 4 die Vision eines dem Verfasser befreundeten Mönches, der als jungerMann die alten heidnischen Schriften eifrigst studiert hatte und daher Angstvor dem jüngsten Gericht bekam.
Prolog (Migne 204, 51B) Cuius monimenta conversionis ab alio quidem scripta reperi,sed cum oratio parum idonea, tum vero barbarismorum atque soloecismorum tanta con-fusio, ut illustrem materiam stilus obscurior laceram reddidisse . . . videretur . . . Melioriergo aliquanlum facie praedictam curavi materiam reformare . . . Opusculum in duos digessilibros atque titulo praenotavi Speculum poenitentiae. Ausgaben bei Pez, Thesaur. 4, 3, 69—82 =Migne 204, 51—62; Prolog bei Martene, Ampi. coli. 1, 961.
h) Vita et passio virginis Mariae Cappadocis. Im Prolog han-delt Reiner zunächst von dem Lehrer Johannes zu St. Lorenz, 2 der mit denKnaben Terenz las, aber vom h. Laurentius ermahnt wurde, von solchemSchmutz abzulassen. Er selbst aber wolle die Muße verbannen und schreiben,und zwar in dem Palmarium virginale genannten Werke über das Martyriumder h. Maria aus Kappadokien. Auch hier hat man es nur mit einer Um-arbeitung einer älteren Vorlage zu tun, doch ist die Darstellung eindrucks-voll gehalten.
Prolog (Migne 204 col. 62B) Itaque gemino distinclum libro opusculum compositurussuin cuius sit titulus Palmarium virginale. Etenim s. virgo Maria quo agone certaverilhoste devicto qualiter palmam adepta sit coelicam in eo describetur. Ausgabe von Pez, Thes.4, 3, 83—96 = Migne 204, 61—70.
i) Vita Tiebaldi. Im Prolog sagt Reiner, er sei weder in der Rede nochim Wissen bewandert und er wolle daher als Mönch das Leben eines lobens-werten Mönches darstellen unter dem Titel Flos eremi. Er handelt von derAbstammung und Jugend seines Helden und von seiner Flucht aus der Welt.Tiebald kommt nach Deutschland, besucht dann San Jago de Compostella.geht nach Italien und wird dort Einsiedler. Und im zweiten Buche erzählt er,was ein befreundeter Mönch von Tiebald gesehen und berichtet hatte, sowievon dessen Tode während der Regierung Heinrichs IV. Der Ton der Schriftist durchaus erbaulich und, wie stets bei Reiner, mit viel Bibelstellen durch-setzt.
Datierung 2, 4 (Migne 204, 80A) Transiitll. Kai. Julii indictione VI imperanteHein-rico Heinrici füio Augusti secundi. Ausgabe von Pez, Thesaur. 4, 3, 97—110 = Migne204, 69—80.
1 Findet sich z.B. im Dresd. A|62 s. X im Libellus cuiusdam idiotae 1 (Mignef. 48—53. 204, 598, 41 ff.).
2 Er erwähnt ihn und seine Schriften auch