SPIELHAGEN
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der Roman „Angela" gleichzeitig in der „Neuen Freien Presse" er-schien, ohne daß sich die österreichische Polizei rührte; in Wien er-staunte man über die „unsaubere Phantasie des Berliner Denunziantendie in einer Spielhagenschen Schilderung von etwas heißerem Koloritgewisse physiologische Anspielungen finden wolle, an welche der vor-nehme Dichter nimmermehr gedacht" habe („Berliner Tageblatt vom23. April). Die parteipolitische Presse beutete das Ereignis in der üb-lichen zweckmäßigen Weise aus; der „Reichsbote" zog gegen „dasFeuilleton der Judenblätter" zu Felde und tat sich auf das von ihmgeprägte Wort „sittenloser Quatsch" nicht wenig zugute (Nr. 99 vom28. April). In Hamburg brachte ein „Berliner Hetzredner" (nach demBericht des „Berliner Tageblatts" in Nr. 203 vom I. Mai) das Verbotöffentlich zur Sprache und ernannte Spielhagen zum „größten JudenBerlins": „Im übrigen schilderte er die fragliche Szene mit breitemBehagen und in solcher Übertreibung, daß man so recht wahrnehmenkonnte, wie eifrig der Herr bemüht ist, vermutete Zweideutigkeitenzu sichern - Eindeutigkeiten aufzubauschen.- In der konservativenPresse avancierte Spielhagen von nun ab zum „Romancier der tortrschrittspartei", ein Titel, den die „Post" erfunden zu haben schein.Paul Lindau, Herausgeber der „Gegenwart", improv.sierte sogle.chdie bevorstehende Verhandlung „Friedrich Spielhagen vor den Rich-tern" (Nr 20 vom 14. Mai). Eduard Engel, Redakteur des „Magazinsfür die Literatur des In- und Auslandes", ließ sich dadurch nicht ab-schrecken denselben Einfall zu haben ; in zwei Nummern seines Blattes(Nr 27/28 vom 2. und 9. Juli) veröffentlichte er einen fingierten„Stenographischen Bericht über die Gerichtsverhandlungen im Pro-zesse .Angela', Roman von Friedrich Spielhagen". Beide Improvisa-toren kamen natürlich zur Freisprechung des Dichters, aber Engelversetzte den Scherz mit bitterm Ernst und benutzte die forensischeGelegenheit - so klagte das „Berliner Tageblatt' vom 12. Jul (N3I 9 ) - „zu geifernden Thersitesreden und Unsauberkelten, die denBeweis liefern, bis zu welcher niedrigen Stufe neuerdings, das -o*erzu den anständigen Blättern gerechnete .Magazin' heruntergelomnenist". Engel hatte nicht nur im Vorwort "^^.^^^^gekennzeichnet, „die der journalistischen und pohtts^ Kraule-gehören, überdies auch den Reptilienfonds mit beiden "*£**%£haben und in .Angela' einige unmoralische See ent ckt haben
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