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nach Österreich eingeführt wurden, mußten die betreffenden Seiten her-ausgeschnitten werden ; ebensowenig war der Nachdruck der Schiller-schen „Resignation" dort gestattet — immerhin ein Vorteil, „dennnichts schützt gegen den Nachdruck mehr, als den ersten Druck nichterlauben", sang später Grillparzer. — Ein charakteristischer Fall vonblöder Zensur des Publikums ereignete sich bei Schillers Gedicht „DieKünstler". An dem ersten Vers: „Wie schön, o Mensch, mit deinemPalmenzweige" nahm der damals in Weimar lebende SchriftstellerJ. J. Chr. Bode Anstoß, weil der Ausdruck „Mensch" eine so häßlicheNebenbedeutung habe! (Ob ihm wohl schon die Anekdote bekanntwar: Es trifft jemand einen Freund in weiblicher Begleitung und fragtleise: „Uxor tua?" Worauf die Antwort fällt: „Homo meum!") „DerMensch" ärgerte ihn, weil er an „das Mensch" dachte! Als Schiller,ohne übrigens den Namen Bodes zu nennen, das seinem Freunde Kör-ner mitteilte, antwortete dieser am 14. April 1789: „Mich wundert,daß dein Kunstrichter in der ersten Zeile bei den Worten : ,mit deinemPalmenzweige' keine Zote gefunden hat. Wenn indessen der Unter-schied zwischen Seele und Körper nicht nach seinem Geschmacke ist,so begreife ich wohl, daß ihm bei dem Worte: Mensch eine nächtlicheBekanntschaft einfallen konnte." Dieser Bode hatte mit Lessing die„Gelehrtenrepublik" gegründet und hielt sich für einen großen Kennerder Poesie. Wenn das am grünen Holze des Schriftstellers geschah,was mußte da erst am dürren Holze des Zensors möglich sein! — Aufderselben geistigen Höhe stand ein Urteil der Hamburger Zensur-behörde im Jahre 1821. In der Karwoche wollte der TheaterdirektorFriedrich Ludwig Schmidt eine aus religiösen Nummern zusammen-gesetzte „musikalische Akademie" veranstalten. Neben einer Mozart-schen Messe und Beethovens „Christus am Ölberg" sollte SchillersBallade „Der Gang nach dem Eisenhammer" mit B. A. Webers Musikvorgetragen werden Plötzlich wurde die Veranstaltung verboten; eshieß: die Bühne solle in der Karwoche überhaupt geschlossen bleiben,damit die Schauspieler auch einmal beten könnten. Hintenherum hörteaber Schmidt, daß der fromme Knecht Fridolin gewissen tonangeben-den Schwärmern noch nicht fromm genug sei! — Den Vogel schoßaber in solchen Spaßen wieder Österreich ab. Ein Gedicht Schillersbehandelt bekanntlich die Teilung der Erde, bei der nur einer leerausgeht, der Dichter; zur Entschädigung dafür wird er von Zeus alsHausfreund in seinen Himmel geladen. Ob man nun in Österreichdiese Ehre dem Dichter nicht gönnte, ob im Lande des privilegiertenNachdrucks die Verse wie ein Vorwurf klangen, oder ob das HausHabsburg dem naheliegenden Gedanken einer gerechteren Teilung derErde etwas frostig gegenüberstand, ist schwer zu ergründen ; jeden-falls aber schrieb der Dramaturg des Burgtheaters, Schreyvogel, amit. Juni 1823 an den vorhin genannten Theaterdirektor und Drama-