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von Chamisso" u. a. aus Varnhagens Nachlaß. II, 169f.) Und nach derJulirevolution 1830 war erst recht alles, was nach Rebellion und Auf-lehnung gegen die hohe Obrigkeit schmeckte, wie „Wilhelm Teil" oder..Egmont", von der preußischen Hofbühne streng verbannt. März 1832schrieb ein Berliner Korrespondent des Stuttgarter „Morgenblatts"ironisch: „Wir sehen keinen .Wilhelm Teil' auf der Bühne, weil unsereBergvölker sich empören könnten." Erst unter Friedrich Wilhelm IV.wurde das Stück wieder freigegeben.
In Wien hatte man natürlich die gleichen Bedenken, wußte sie aberdurch eine resolute Bearbeitung aus dem Wege zu räumen, die derSchauspieler Wilhelm Grüner sich leistete. Wes Geistes Kind sie war,er gibt sich aus dem Gutachten des Zensors von Hager vom 12. De-zember 1809: „Österreich wird gar nicht erwähnt, und kein Schattenfällt auf den Kaiser, sondern alles wird der Tyrannei des Vogts Geßlerzugeschrieben." Schon Hägelin hatte den Schweizerheld Wilhelm Teilund jede Empörung einer Eidgenossenschaft gegen das österreichischeZepter zu den Stoffen gezählt, die seitens der Zensur nicht zu duldenseien. Daß man 1809 ein Stück, worin der Widerstand gegen die hoheObrigkeit als ein Akt gerechter Selbsthilfe verherrlicht wurde, nichtmehr schroff ablehnte, war immerhin ein Fortschritt. Im übrigenaber hatte sich der Bearbeiter Grüner streng an Hägelins Vorschriftgehalten, die besagte: „Nie darf eine Schuld an den Mängeln derMilitärverwaltung auf den Landesfürsten oder den Dienst selbstfallen." Stets mußte, genau so wie in der hohen Politik, ein Unter-gebener das Karnickel sein. Der vierte Akt schloß mit Geßlers Tod;der fünfte blieb ganz fort. Um die Hauptpersonen zum Schluß nochzusammenzubringen, erschienen, nachdem Geßlers Leiche fortgeschafftwar, wie aus den Wolken gefallen Teils Gattin mit Vater und Kin-dern, Ulrich v. Rudenz und Bertha, freuten sich der errungenen Frei-heit, und der Vorhang fiel! Auch Grüners Bearbeitung wurde nichtsofort genehmigt, da man auf der Bühne nicht gern an Länder erinnernließ, die Österreich einst besessen und später verloren hatte und da„die neuesten Ereignisse in Tirol zu gewissen peinlichen Rückerinne-rungen Anlaß" gaben. Erst Graf Palffys hartnäckiges Drängen er-zielte im März 1810 die Freigabe des Stückes, und am 30. Mai ging esin dieser Verunstaltung über die Bühne des Theaters an der Wien. DasLeopoldstädter Theater kam der Konkurrenz am 12. April sogar zu-vor; es hatte sich eine Bearbeitung von Alois Gleich von der Zensurpatentieren lassen, die wohl ähnlichen Kalibers gewesen sein dürfte.(Grillparzer-Jahrbuch VII. XXV.) Im Herbst 1827 gelang es endlichSchreyvogel, den „Teil" auch für das Burgtheater zu erobern. „Wasfür Kämpfe hat Schreyvogel bestanden, um das durchzusetzen," ruftAnschütz in seinen Erinnerungen. „Daß er ungeachtet unzähliger Ab-weisungen seinen Vorsatz immer wieder erneuerte und endlich die