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sei Raumer von jeher gewesen." Lange konnte es also nicht dauern,daß er mit dem herrschenden System, wenn nicht gar mit dem Königeselbst zusammenstieß. 1822 schon war es so weit. Im Herbst diesesJahres wählte die Berliner Universität Raumer zum Rektor. In dieserEigenschaft hielt er am 18. November eine „Rede zur fünfund-zwanzigjährigen Regierungsfeier Friedrich Wilhelms III.", die schondadurch auffiel, daß sie sich, akademischem Brauch zuwider, nicht derlateinischen, sondern der deutschen Sprache bediente. Varnhagen (a.a.O.II, 247 f.) berichtet darüber: „Eine große und glänzende Versammlunghatte sich eingefunden, der Kronprinz, Minister, Generale, GeheimeRäthe, alles im größten Putz. Er ging die Regierung des Königsdurch, lobte viel und tadelte manches. Er pries alle Fortschritte unsererZeit, die Freiwerdung des Bauernstandes, die Militairgesetzgebung, dieStaatsschuldenordnung, und vieles andere, was besonders dem Kanzlerzugeschrieben werden kann. Einen eigenen Abschnitt widmete er derVerfassung, sprach von ihrer Nothwendigkeit, von Erfüllung desKöniglichen Versprechens ; die Bauern, meinte man, müßten erst fürVerfassung erzogen werden, und das geschehe schon, aber eben sonöthig sei es, daß auch der Adel dafür erzogen und gebildet werde. Erschalt gegen die Zensur, und lobte nur die Oberzensurbehörde insofernsie eine Jury vorstelle. Über die Behandlung der Universitäten fielenauch einige Worte. Genug, er hat durch seine Rede, die übrigens soanständig als kühn war, unsere Hofparthei auf den Tod beleidigt.Herrn Geh. Ratfi Schulz, Herrn Geh. Rath v. Schmalz, Herrnv. Kamptz, Herrn v. Ancillon, wollte man das Mißvergnügen auf denGesichtern ansehen; der Kronprinz verließ nach dem Schlüsse denSaal, ohne dem Redner ein Wort zu sagen. Raumer hat zwar auf dieFlugblätter und Zeitschriften, sowie sehr stark auf die spanische Re-volution und Konstitution der Cortes geschimpft, aHein dadurch hat erschwerlich die andern Äußerungen alle gesühnt. Man spricht viel vonder Sache, die Meisten mit unverhohlener Freude, daß doch ein sofreies Auftreten, und vor einer solchen Zuhörerschaft hier möglichsei. Jemand sagte von Raumer in Bezug auf die Widersprüche, die inseinen Äußerungen lägen ,Er habe Weihrauch und Dreck gemischt,und das angezündet, da habe man bald Wohlgeruch, bald Gestank da-von gehabt'."
Bei dem nachfolgenden Festessen verhehlte der Kronprinz demRedner seine Unzufriedenheit nicht und meinte, dies und jeneshätte er besser weggelassen. Raumer wußte also Bescheid, und ehe erseine Rede veröffentlichte, legte er das Manuskript dem Könige selbstvor, damit dieser entscheide, ob sie gedruckt werden solle. Der Königübersandte sie ohne weitere Bemerkung dem Oberzensurkollegium.Dessen Mitglieder, erzählt Raumer selbst in seinen „Lebenserinnc-rungen" (II, 356), erklärten nun: sie könnten in diesem Falle nicht