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1 (1924)
Seite
506
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LAUBE 5 oö

21. Oktober drohte Laube mit der Flucht in die Öffentlichkeit, wennseitens der Intendanz nichts Ernstliches in einer Sache geschehe, diein Frankfurt, dem Sitz des ersten deutschen Parlaments, dem Laubeangehörte, von preußischen Staatsmännern „als ein politisch wün-schenswertes Ereignis für hier und Berlin betrieben" werde. Was dem„Prinzen von Homburg" recht sei, sei dem „Prinz Friedrich" billig.Küstner überließ es ihm (28. Oktober), seine Drohung wahr zu machen.Die Premiere des Stückes fand nunmehr in Frankfurt selbst statt am29. November 1848 vor einem ungewöhnlichen Publikum, das haupt-sächlich aus Mitgliedern der Nationalversammlung bestand.

Von Laubes nachmärzlichen Stücken hat ihm nur eines noch einenKonflikt mit der Zensur eingetragen, sein letztes historisches Trauer-spiel „Montrose", das am 3. Februar 1859 einen ungewöhnlichen Bei-fallssturm im Wiener Burgtheater unter des Dichters eigener Direktionentfesselte. Das Publikum deutete einige Verse, die gegen die Herr-schaft der Kirche über den Staat gerichtet waren, auf das seit vierJahren bestehende Konkordat. Kaiser Franz Joseph wußte jetzt, sosoll er selbst erklärt haben, wie Laube und die Wiener über das Kon-kordat dachten, störte aber die Wiederholungen nicht, bei denen diebedenklichen Verse ohne sonderlichen Eindruck vorübergingen. Der1859 beginnende Krieg Italiens mit Frankreich weckte aber in Öster-reich eine politische Aufregung, die auf eine Verfassung hinzielte, undjeden Abend spähte das Publikum nach tendenziösen Worten zu demon-strativem Applaus. Vom Konkordat war gar nicht mehr die Rede.Laubes Chef, Graf Lanckoronsky, hatte krankheitshalber die „Mon-trose"-Premiere versäumt, er wußte nur, daß eine Demonstration da-bei stattgefunden hatte. Als Laube nun Ende 1859 sein Stück wiederaufs Repertoire setzte, erklärte der Graf es nicht mehr für zulässig.„Vergebens machte ich bemerklich," berichtet Laube („Burgtheater",S. 361 ff.), „daß jene Demonstration ein ganz anderes Thema be-troffen habe, als jetzt Zielpunkt des Publikums sei . . . vergebens!Die Konstellation der Gestirne war ungünstig, ,Montrose' bliebuntersagt."

(An Akten des Geh. Preußischen Staatsarchivs wurden benutzt:Rep. TJ II Gen. 19 Bd. 2; Rep. 77 VI Politisch-Verdächtige L 44;Rep. 89 B I 88, 1843 und 1846/47; Rep. 101 Spec. E 23; Prov. Brand.Rep. 30 C Tit. 165 No. 51, — Die Angaben in meiner Laube-Bio-graphie, Band 1 von Laubes „Ausgewählten Werken", Leipzig, Hesseund Becker, sind in der vorstehenden Darstellung durch zahlreiche neuaufgefundene Akten, besonders über die Zensurgeschichte der Dramen,Weit überholt, in manchen Einzelheiten ergänzt und auch berichtigt.Wertvolle Ergänzungen ergaben vor allem die erst später von mirexzerpierten Akten der ehemaligen Kgl. Hoftheater Berlin und Dres-den ; vollständig sind leider besonders die letzteren nicht.)