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1 (1924)
Seite
414
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HEINE 4,4

nur als eine „Morgendämmerung des jungen Deutschlands" erschei-nen ; auch dieser Plan, der bedenklich an das oben erwähnte Projekteiner Klassikerausgabe 1834 erinnert, scheiterte, jedenfalls an derZahlungsunfähigkeit des Verlegers Heideloff, mit dem er darüber ver-handelte. Der zweite Band des „Buchs der Lieder", schon 1838 zumDruck fertig, wurde zurückgestellt; der ehrlich gemeinte, wenn auchunvorsichtige Einspruch Gutzkows hatte den Dichter selbst bedenk-licher um seinen Nachruhm gemacht, als er in seiner halb ironischenAntwort, die „Autonomie der Kunst" verteidigend, zugestehen wollte;Campe, der nach Abschluß des Vertrags über die gesammelten Werkekeinerlei Konkurrenz mehr zu fürchten hatte, erschwerte ihm dasLeben nach allen Regeln der Verlegerkunst und verleidete ihm dieFreude am Schaffen rücksichtslos. „Hätte ich einen andern Buch-händler gehabt, wären andre Bücher und gewiß mehr als die vorhande-nen zum Vorschein gekommen," schrieb Heine selbst (9. Juli 1848)dem Kaufmann, der es über sich brachte, den Todkranken jahrelangauf Antwort über die von ihm ersehnte Gesamtausgabe seiner Werkewarten zu lassen.

Dieser zweite Band des „Buchs der Lieder" trat erst 1844 als ,iNeueGedichte" hervor, und im selben Jahr setzt auch die Zensurverfolgunggegen Heine mit Hochdruck wieder ein. Die Hoffnung auf Versöh-nung mit Preußen hatte allerdings Heine jetzt völlig aufgegeben; waser 1842 seinem Verleger geraten, Krieg „auf Leben und Tod", warjetzt seine eigene Parole geworden. Die „Neuen Gedichte" vereint mitdem Wintermärchen „Deutschland" waren ein Angriff auf der ganzenFront. Das Liebäugeln mit dem monarchischen Prinzip, dem er seit1830 gehuldigt, hatte sich nicht gelohnt; es hatte ihn nur in Mißkreditbei allen Liberalen gebracht. Eine deutliche Diversion nach links alleinkonnte ihm die Popularität zurückverschaffen, die er durch sein Börne-pamphlet, diesen „russischen Feldzug", wie Campe jammerte, verscherzthatte. Diese Einbuße übertrieb Freund Campe nach Kräften; durchsolche Manöver drückte er den Dichter im Preise; wieviel Exemplareer von den einzelnen Werken druckte, verheimlichte er aber sorgfältig,die neuen Auflagen überstürzten sich daher keineswegs. Das Gesamt-verbot der Heineschen Schriften in Preußen bestand noch zu Recht;das zeitweilige Verbot des ganzen Campeschen Verlags vom Dezember1841 bis Juni 1842 hatte es noch verschärft (vgl. oben S. 393). Ausder Ferne sah sich das alles noch bedrohlicher an. Den Dichter erfaßtebeklemmende Unruhe, sein ganzes Lebenswerk schien zusammen-brechen zu wollen; nur eine Reise in die Heimat, der er, wie seinganzer Briefwechsel überraschend genug zeigt, fast entfremdet war,konnte ihn über den wahren Stand der Sache aufklären. Ganz plötz-lich entschloß er sich Anfang Oktober 1843 zur Fahrt nach Hamburg.Er vermied Preußen, denn trotz des Regierungswechsels war ein Griff