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1 (1924)
Seite
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seine ,Carriere' zu machen suchen und sich trotz seiner auf Null redu-cirten Leistungsfähigkeit in den Staatsdienst eindrängen, um nachoben zu kriechen, nach unten zu tyrannisiren ; er wird, nachdem dießgelang, eine Verbindung' schließen, um die Einnahme zu verdoppelnund für böse Stunden der Krankenwärterin gewiß zu sein; er wirdwohl auch noch einen ,Namensträger' in's Leben rufen, ein unglück-liches, von vorn herein ohne Schuld zu ewigem Leiden verdammtesHalb- und Zwitterwesen, und so die Zukunft vergiften, wie die Gegen-wart verpesten. Dieß ist gewöhnlich und herkömmlich; dem Bertramdes ersten Acts begegnen wir in jeder großen Stadt hundert Mal aufder Gasse; den Bertram des letzten treffen wir vielleicht in ganzEuropa nicht ein Mal an. Daß es aber moralisch sei, un-moralisch zu bleiben, und unmoralisch, moralischzu werden, darf ich mit einiger Hoffnung auf all-gemeine Zustimmung verneinen. Damit ist denn die Mo-ralität meines Haupt-Characters und die davon dependirende desganzen Dramas, das in ihm angefangen und beschlossen wurde, er-wiesen.

„Ich könnte mich noch tiefer in die Analyse der Einzelheiten ein-lassen, und man würde erstaunen, wie schlagend das Ergebnis wäre.Oder ist es z. B. nicht moralisch, wenn Antonio in dem Augenblick,wo das Leben allen Werth für ihn verloren hat, und wo er, wenn ernicht wirklich für alle Ewigkeit den sittlichen Schwerpunct gefundenhätte, zur Pistole greifen müßte, den Entschluß faßt, sich dies verhaßteLeben zur Buße im Schweiß seines Angesichts durch Mühe und Ar-beit zu fristen, ja, wenn er später sogar gelobt, über den Menschen,wie ein Bruder, zu wachen, der seinem Glück allein im Wege steht?Aber ich würde mich dadurch in den lächerlichen Verdacht bringen,als ob ich noch immer an die Ehrlichkeit des mir so oft gemachtenund eben so oft widerlegten Vorwurfs der Unmoralität glaubte, undso naiv bin ich nicht mehr. Ich weiß es recht gut, daß mir Nichtswiderstrebt, als das allgemeine Mißbehagen, das gewöhnlich zu ent-stehen pflegt, wenn Jemand die wankende Gesellschaft in ihrem süßenTraum ewiger Dauer zu stören und sie auf die ihr drohende Gefahraufmerksam zu machen wagt. Ihr sitzt bei einer wohl bestellten Tafel;ich lege den Todtenkopf auf den Tisch und mahne an's Ende. Ihrwollt vom Ende nichts wissen, Ihr wollt von dem Gebäude, in demIhr jubelt und zecht, lieber während des Rausches erschlagen werden,als seine morsch gewordenen Pfeiler durch neue ersetzen, Ihr weis'tmir die Thür. Das ist nicht klug, aber natürlich, und ich kann's be-greifen, wenn ich's auch beklagen muß, da ich mir der reinsten Ab-sicht bewußt bin und, wohl gemerkt, obendrein die volle Ge-fahr mit Euch t h e i 1 e. Hierbei laßt Ihr es jedoch nicht be-wenden, Ihr beschuldigt meinen Todtenkopf, er sei