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Und auf der Höhe seines Ruhmes, als er über die Mehrzahl seinerZeitgenossen so ungeheuer hinausgewachsen war, hatte sich diese ge-reizte Stimmung keineswegs verloren, im Gegenteil bedeutend ge-steigert. Als er sich nach dem großen Erfolg seiner „Nibelungen"(1862) zu einer Gesamtausgabe seiner Werke rüstete, dachte er daran,sie um eine „Blumenlese" seiner Zensurerfahrungen zu bereichern,„nicht der Piquanterie wegen", wie er an seinen Verleger Campe am19. Oktober 1863 schrieb, „sondern um gewisse Kritiker, die mir immerdas Anklammern an die reale Bühne predigen, mit den Zuständendieser realen Bühne bekannt zu machen. Ich habe das Theater stetsim Auge gehabt und keine Scene geschrieben, die nicht gespielt werdenkonnte, aber freilich nicht den Polizei-Codex, oder gar die Grillen oderdas Hof-Gewissen eines Intendanten. Wie wäre das auch möglich?In jedem Lande, ja in jeder Stadt sind sie verschieden, und wechselnnicht bloß mit den Personen, sondern auch mit ihren Stimmungen."Zwei Monate, nachdem er dies geschrieben hatte, riß ihm der Tod dieFeder aus der Hand. Seine Briefe und Tagebücher nebst den Berichtenseiner Zeitgenossen geben aber Stoff genug, jene „Blumenlese" inseinem Sinne nachzuholen.
Aus Hebbels Frühzeit ist nur ein unbedeutender Zusammenstoß mitder Zensur bekannt. Während seines ersten Aufenthaltes in Hamburgschrieb er ein Gedicht „Zum. 18. Oktober" (1835), dem Gedenktag derLeipziger Schlacht, das in den von seiner damaligen Gönnerin AmalieSchoppe herausgegebenen „Neuen Pariser Modeblättern" erscheinensollte. Der Hamburger Zensor Hoffmann aber gab das Manuskriptdem Drucker entrüstet zurück mit den Worten: „Wie kann die guteFrau [Schoppe] glauben, daß ich solche Gedichte passirön lasse!"Dieses Jugendgedicht Hebbels ist verschollen, was nicht der Fall wäre,wenn es hätte gedruckt werden dürfen. Seine Staatsgefährlichkeit istalso nicht mehr nachzuprüfen.
Das ist alles, was sich Hebbel bis zu dem Zeitpunkt hatte zuschul-den kommen lassen, da er als Dramatiker aufzutreten begann. Er waralso weder politisch verdächtig noch vorbestraft und hatte auch nie-mals die Aufmerksamkeit der vormärzlichen Polizei auf sich gezogen.Er lebte fast als politisches Neutrum dahin, ganz eingesponnen inseine künstlerische Arbeit. Dennoch gehen seine Erfolge gerade alsDramatiker durchaus parallel mit den politischen Ereignissen.
Von Hebbels bis 1848 vollendeten sechs Dramen haben bis zur Auf-hebung der Zensur in ebendiesem Jahr nur zwei das Lampenlicht er-blickt : „Judith" und „Maria Magdalene" ; die Zahl der Aufführungenzusammengenommen erreicht nicht einmal das Dutzend. Von 1848 abwird das mit einem Schlage anders. Eine der hartnäckigsten Zensur-festungen, das Wiener Burgtheater, kapituliert; es bringt innerhalbzweier Jahre vier Stücke von Hebbel. Allein das Jahr 1849 beschert
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