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1 (1924)
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HAUPTMANN 366

trächtigling der öffentlichen Sicherheit bestehe nicht, dagegen sprä-chen die vielen Erfahrungen, die man anderwärts damit gemacht habe.Damit war der Herr Kreishauptmann abgeführt, und die Darstellungder „Weber" durch das Meßthalersche Ensemble im Alberttheater am13. April 1902 hatte einen rauschenden Erfolg.

9. „Die Weber" im Ausland. Der Zensurkampf gegen die„Weber" in Deutschland griff auch auf das Ausland über. In Wienwurde eine von Karl Kraus beabsichtigte Aufführung vor geladenemPublikum ohne Begründung verboten („Berliner Tageblatt", 9. April1894). Diese Verfügung wurde wiederholt, als Otto Brahm im Dezem-ber 1901 auf dem Wiedener Theater das Stück den Wienern gebenwollte. Ebenso erging es im Juli 1897 dem „Berliner realistischen En-semble" in Prag („Kleines Journal", 3. Juli 1897). Das Verbot wurde(nach Schienther) auf die gesamte österreichische Monarchie ausge-dehnt; ihre österreichische Premiere erlebten die „Weber" erst am24. Oktober 1903 in Graz. — Bei der Premiere in Ofen am 2. August1895 fanden stürmische Demonstrationen statt, nach der Vorstellungmarschierten die Arbeiter unter Absingung der Marseillaise ab („Ber-liner Lokal-Anzeiger", 3. August). Nach dem „Börsen-Courier" mußtedas Weberlied wiederholt werden, dabei wurde im Zuschauerraum einerote Fahne geschwenkt. Arbeitervereine waren in corpore erschienen.Trotzdem „übertraf der Erfolg alle Erwartungen und beschämte alleBefürchtungen", und die ganze ungarische Presse bezeichnete denAbend als ein literarisches Ereignis ersten Ranges. Die Demonstra-tionen wiederholten sich nicht, und das Werk blieb auf dem Reper-toire, obgleich bis zur neunten Vorstellung der Besuch abflaute. EinigeZeitungen verlangten ein Verbot, weil das Theater (die Ofener Arena)von der Stadt subventioniert werde. Daraufhin sah sich Ministerpräsi-dent Baron Bansy das Stück an und folgte der Vorstellung „mit sicht-barem Interesse". Am andern Morgen aber wurde der Direktor zurAudienz befohlen, der Minister ersuchte ihn, das Stück abzusetzen,und sogleich erschien an Stelle der „Weber" der „Raub der Sabine-rinnen" („Vorwärts", 21; August). Im nächsten Monat wurde dasStück sogar für .sämtliche ungarischen Bühnen verboten („BerlinerVolks-Zeitung", 25. September 1895). 1900 wurde das Verbot wiederbeseitigt, und die Berliner Sezessionsbühne errang in Budapest am6. Juli mit den ,,Webern" einen durchschlagenden Erfolg; die Wir-kung wird als ,,ungeheuerlich" geschildert, Martin als Pastor, RosaBertens als Luise, Vallentin als Expedient Pfeifer und Hilse, und vorallem Reinhard als Baumert fanden tosenden Beifall. — In Paris ver-bot die Zensur die öffentliche Aufführung aus zwei Gründen: 1. könnedie Vorführung deutscher Uniformen zu Unruhen und Skandalszenenführen, da sie für das französische Nationalgefühl verletzend sei;2. habe der Verfasser zwar ein sehr naturgetreues Bild menschlichen