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drängt allerdings die Überzeugung auf, daß die österreichische Regie-rung dem Manne nicht mehr ernsthaft zu Leibe gehen wollte, der einin ganz Deutschland mit Recht berühmter Dichter, ein unantastbarerEhrenmann, zugleich aber auch — Sproß eines der ältesten und an-gesehensten Adelsgeschlechter seiner Heimat war. Auch hier flüchtetesich Frau Justitia letzten Endes auf die Eselsbrücke: Quod licet Jovi,non licet bovi . . .
Die literarische Kritik konnte von vornherein über die IdentitätGrün-Auersperg nicht im Zweifel sein. Seine ersten Gedichte standenin der Wiener „Theaterzeitung" und andern Blättern schon seit 1825meist unter seinem richtigen Namen; sogar in einer nichtösterreichi-schen Zeitschrift, dem Dresdener „Merkur" von Ferd. Philippi, war erin den Jahren 1826—1828 vielfach zu finden. Als nun sein erstes Buch„Blätter der Liebe von Anastasius Grün" 1829 bei Gebr. Franckh inStuttgart erschien, fanden sich hier, wenn auch durchweg stark um-gearbeitet, vereinzelte jener lyrischen Erstlinge, zu denen er sich injenen Zeitschriften mit seinem adeligen Namen bekannt hatte. DieBeiträge für den „Merkur" dürften wohl erst der Wiener Zensur vor-gelegen haben. Wahrscheinlich war Auersperg dabei auf die üblichenalbernen Bedenken gestoßen, und dieser Bevormundung wollte er sichentziehen. Daher griff er zu einem Pseudonym, um sich die Freiheitseiner literarischen Entwicklung zu sichern und die Behörden nichtherauszufordern, ihnen vielmehr, wie er einmal selbst sagt, „Gelegen-heit zu geben, die veralteten Vorschriften und deren neueste Über-tretungen schonend zu ignoriren". Der Name Grün sollte so viel heißenwie „auferstanden oder wiedererstehend, nachdem der wahre Nameder damaligen Censurverhältnisse halber nicht wagen konnte miteiniger Aussicht auf ungestörte Wirksamkeit literarisch aufzutreten".Der Vorname Anastasius sollte eine Art humoristischer Vorsilbe sein.Als Anastasius Grün gab nun Auersperg seine „Blätter der Liebe"heraus, ihnen folgte 1830 ein nationales Epos, der Romanzenkranz„Der letzte Bitter" (München bei F. G. Franckh); als AnastasiusGrün wurde Auersperg seit 1829 einer der freigebigsten Mitarbeiterdes Stuttgarter „Morgenblatts" und regelmäßiger Gast zahlreicherdeutschen Musenalmanache, besonders des im Weidmannschen Verlagzu Leipzig erscheinenden, den Amadeus Wendt, später Chamisso undSchwab herausgaben. In der Korrespondenz und im persönlichen Ver-kehr mit den Redaktionen und seinen österreichischen Freunden machteer aus dem Pseudonym kein Geheimnis, vermied es aber sorgfältig,sich öffentlich dazu zu bekennen, denn die Übertretung des öster-reichischen Zensurgesetzes lag dann ja klar auf der Hand und wurdenur noch bedenklicher, als gleich Grüns erstes Buch, die harmlosen„Blätter der Liebe", bei ihrer Einfuhr von Stuttgart nach Österreichauf der Wiener Zensurstelle Anstoß erregten und offenbar verboten