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1 (1924)
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227 GRILLPARZER

österreichischer Aristokrat gewesen zu sein, von dem ein Brief an denwürttembergischen Hofrat Christian Andre erhalten ist. Darin heißtes: „Baron B. . . . [Bretfeld], dessen Zensurmißgriffe uns zum Kinder-spott machen, verbot das Stück und machte Sedlnitzky glauben, es be-leidige die Böhmen, enthalte bloß Anspielungen auf Napoleon undkönne nicht gegeben werden. Der Dichter jammerte, und seineFreunde, besonders die von der sogen, patriotisch-österreichischenPartei, verwendeten sich mit einem Eifer für dieses Stück, den ichwahrlich seit dem Jahre 1809, wo es freilich Ernsteres und Wichtigeresgab, hier nicht mehr erlebt hatte. Dero Diener, obgleich zu gar keinerPartei gehörend, half redlich mit, weil es gegen die Zensur losging,die in der willkürlichen Albernheit, in welcher sie hier ausgeführtwird, wo man nota bene jede eigene Laune, nur nicht die kaiserlichenZensurvorschriften benützt, und wo jeder Zensor oder Kreishaupt-mann, ja sogar kleine Polizeikommissäre sich erlauben, die Rezen-senten zu machen und Schriftstellern die Pensa zu korrigieren, einwahrer Greuel ist, und so gelang es, freilich mit unausgesetzter Müheund Arbeit, das Stück vor die Kaiserin zu bringen, vor den Kaiser, alleErzherzöge, ja sogar zu veranlassen, daß Stifft, ein verständiger,kalter Kopf, diesen Ottokar lese." Schärfer kann man wohl nicht überdie Praxis der österreichischen Zensur urteilen, als dieser Aristokrat,der keineswegs ein Freund des Dichters war und „tant de bruit pourune Omelette" für sehr lächerlich hielt. — Wieweit Friedrich v. Gentzüberhaupt an dem Vorgang beteiligt war, ist noch nicht klar, dennsein Tagebuch hat folgende Notiz: „. . . Dann ging ich auf Grillparzer'sOttokar über, den ich mit Unwillen las." Aber dieser Vermerk trägtdas Datum: 20. Februar 1825; danach hätte Gentz das Stück (odernur die Buchausgabe?) erst am Tage nach der Aufführung kennengelernt.

Stifft hatte sein Gutachten längst abgestattet, als das Stück derKaiserin in die Hände kam; der Kaiser war also genau vorbereitet,und die Kaiserin hatte demnach wohl nur das Verdienst, ihren Gemahlohne die sonst üblichen Formalitäten zu einem schnelleren Entschluß zubringen. Und dieser Entschluß wurde so plötzlich und in eine Formgefaßt, die einen deutlichen Tadel der Zensurbehörde bedeutete. Sieerfuhr die Freigabe des „Ottokar" erst am 16. Februar 1825, und zwardurch die gedruckte Ankündigung der drei Tage später erfolgendenAufführung, die ihr von den Regisseuren, zu deren Gunsten die Vor-stellung stattfinden sollte, zugestellt wurde! Auf eine Anfrage Sedl-nitzkys erwiderte der Kaiser am 18. Februar nur, daß er die Auffüh-rung des Trauerspiels „mit den erforderlichen Abänderungen" ge-stattet habe.

Worin diese Änderungen bestanden, scheint sich bisher noch nichtergeben zu haben. Am 19. fand die Aufführung statt, Ottokar

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