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und ebenfalls Flüchtling, bei Albert Reiche in Borna herausgegebenhatte. Aber Freiligraths flammender Aufruf zur Revolution in demGedicht „Freie Presse" mußte allein schon genügen, die gesamtedeutsche Polizei gegen sein neues Buch mobil zu machen. Schon derErscheinungsort „Herisau, Druck und Verlag des literarischen Insti-tuts" stempelte das Heftchen zu einem der ohne weiteres verpönten,im Ausland verlegten Zensurflüchtlinge. „Verglichen mit der anar-chischen Glut dieser Gedichte sind die Gedichte von Herwegh einezahme Wassersuppe", urteilte einer der österreichischen Spione, deram 24. Oktober seiner Regierung meldete, daß das Buch vom Boden-see aus nach Norddeutschland versandt worden sei. Am 1. Dezember
1846 erließ Preußen ein ausdrückliches Verbot dagegen; auch Sachsenkonfiszierte es am 22. Januar 1847. Der preußische Minister schärfteder Polizei noch besonders ein, auch jeden Verbreiter der Schrift so-fort zu verhaften und wegen Hochverrats dem Kammergericht zuzu-führen. Das ging aber so einfach nicht, denn das Gesetz schützte denBuchhändler, wenn ihm nicht „wissentliche Kenntniß" eines von ihmverkauften Buches nachgewiesen wurde. Die preußischen Zensuraktenverraten daher auch nichts von einem Erfolg dieser Maßregel. Da-gegen setzte Preußen es durch, daß der Bundestag am 18. Februar
1847 den gesamten Verlag des Literarischen Instituts verbot. Derpreußische Gesandte las zur Begründung seines Antrags u. a. einigeVerse aus „Ca ira" vor, die nach seinen Darlegungen völlig ausreich-ten, „Geist und Tendenz" dieser Gedichte zu charakterisieren.
Freiligraths erstes englisches Exil dauerte nicht ganz zwei Jahre;die auch in Deutschland scheinbar siegreiche Revolution machte ihmein plötzliches Ende, sie rief ihren Sohn stürmisch heimwärts, geradeals er entschlossen war, nach Amerika auszuwandern. Die keckenSchlußworte seines „Ca ira!" schienen jetzt Wirklichkeit zu werden:„Kein Zug des Schicksals setzt mich matt: — Matt werden kann janur der König!" Der Arm der Polizei war durch die Amnestie vom22. März 1848 gelähmt, Vergangenes mußte jetzt vergessen — wennauch nicht vergeben bleiben. Sofort nach Aufhebung der Zensur waraus dem Bändchen „Ca ira" das Gedicht „Freie Presse" als Flugblattverbreitet worden.
Im Mai 1848 begab sich Freiligrath wieder an den Rhein, diesmalnach Düsseldorf. Bald sah er: die deutsche Revolution war „von vorn-herein verpfuscht", und das große politische Drama begann sich inkleinliche Alltäglichkeiten und persönliche Zänkereien zu zersetzen.Trüben Gedanken nachhängend, saß er eines Tages unter den Ge-nossen des Düsseldorfer Volksklubs. Es war Ebbe in der Kasse, undman beriet, wie ihr abzuhelfen sei. Der Dichter sah zum Fenster hin-aus auf den in der Sonne glänzenden Rhein, und der Präsident fand,daß er nicht mit der „gebührenden Aufmerksamkeit" bei der Sache sei.
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