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1 (1924)
Seite
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„EUROPA" 176

wärts, sie machte den Aufschwung des Zeitschriftenwesens, für densie einst den Ton angegeben hatte, nicht mit und verflachte; gleich-wohl lebte sie von ihrem ersten Ruhme ein volles halbes Jahrhundertund versickerte erst 1885. Keiner vermißte sie. Aber ihr erstes Jahr-zehnt imponiert noch heute. Natürlich stand sie damals im Zeichendes „Jungen Deutschlands", mit dessen Helden Lewald ohne Aus-nahme intim befreundet war, und da gehörte schon eine mehr alsdiplomatische Gerissenheit dazu, an der Scylla und Charybdis derZensur und des Verbotes vorbeizuschiffen. Ungerupft kam auch sienicht davon, schon im ersten Jahre ihres Daseins ereilte sie das Ver-hängnis.

In ihrem zweiten Band (6. Lieferung) brachte sie „VertrauteBriefe aus Berlin. Von E. Beurmann", Bruchstücke aus einem Buche,das damals unter der Presse war, aber erst 1837 anonym als „VertrauteBriefe über Preußens Hauptstadt" erschien und von Berlin aus sofortverboten wurde, nachdem man sich dort schon vorher alle Mühe ge-geben hatte, die Herausgabe der wegen allerlei Indiskretionen höchstunbequemen Schrift auf diplomatischem Wege zu verhindern. Da mandamit keinen Erfolg hatte, hielt man sich zunächst an die Zeitschrift,die die erste Kunde davon ihrem großen Leserkreis vermittelt hatte.Am 2. Dezember 1835 machte zunächst der Geheimrat Tzschoppe un-seligen Angedenkens auf das Heft der „Europa" aufmerksam, am18. fragte der Polizeipräsident v. Gerlach, ob er das Blatt nicht ver-bieten solle, und am 23. legte der Polizeiminister v. Mühler mit seinemAdlatus Tzschoppe dem Kultusminister Ancillon ein Einschreiten nahe,wegen der „unangemessenen Äußerungen namentlich auch in Be-ziehung auf Seine Majestät". Das vom Polizeiminister befragte Ober-zcnsurkollegium stimmte am 9. Januar zu, und am 26. wurde derweitere Vertrieb der „Europa" in Preußen untersagt; ein entsprechen-des Zirkular des Generalpostmeisters v. Nagler erging am 12. Februar1836 an die Postanstalten.

Für Verleger und Herausgeber war das natürlich ein höchstempfindlicher Schlag. Der Buchhändler Scheible erklärte sich so-fort (12. Februar) bereit, das beanstandete Heft Umdrucken zu lassen;er und Lewald versprachen vor dem Stuttgarter Stadtdirektor, v. Klett,feierlich, künftig niemals etwas aufzunehmen, was der preußischenRegierung anstößig sein könne, bedenkliche Artikel wollten sie sogarerst der dortigen preußischen Gesandtschaft zur Genehmigung vor-legen. Der Stadtdirektor bescheinigte ihnen, daß beide „solide Männer"seien; selbst der preußische Geschäftsträger, v. Salviati, bestätigteihren „besten moralischen Ruf" und entschuldigte den Vorfall miteinem Versehen des Stuttgarter Zensors. In einem persönlichenSchreiben an das Berliner Ministerium vom 12. Februar gelobte Lewaldnochmals sich zu bessern; er kannte den Stil, der Behörden gewinnt