i6g EINSTEIN
die Psychiater Degenerationsmerkmale bei Jesus erörtern, obwohl nichtdas Geringste von Jesus Körperlichkeit bekannt ist, wenn die Psy-chiater vollends Jesu als Syphilitiker bezeichnen und weiter ohne jedenZusammenhang mit ihrer Untersuchung die Veränderung der linkenHodensackdrüse in der Agonie beobachten und eine WassermannscheProbe vornehmen wollen. Nach alledem muß eine objektive LästerungJesu durch beschimpfende Äußerungen im Buche des Angeklagten Ein-stein auch insoweit angenommen werden.
„Weiter ist nach Ansicht des Gerichts in dem Buche auch die evan-gelische und katholische Kirche objektiv beschimpft worden. Zwar un-mittelbar ist die christliche Kirche nicht beschimpft worden, abermittelbar dadurch, daß christliche Lehren angegriffen worden sind.Der Angriff auf eine christliche Lehre stellt wohl nicht immer ohneweiteres eine Beschimpfung der christlichen Kirche selbst dar. Wennaber die grundlegendsten christlichen Lehren derart grob herabgewürdigtund der Verachtung preisgegeben werden, dann liegt eine Beschimpfungder christlichen Kirche selbst vor. Das ist hier geschehen.
»Die christliche Kirche lehrt die frohe Botschaft von der Sünden-vergebung, Auferstehung und dem ewigen Leben. Nach den Evan-gelien sind diese Lehren von Jesus Christus verkündet worden undhat sich Jesus selbst geopfert, den Kreuzestod erlitten, um die Mensch-heit von den Sünden zu erlösen. Im Gegensatz hierzu stellt der An-geklagte Einstein Paulus, der nur die christlichen Lehren verbreitethat, als den Gründer der christlichen Kirche hin und läßt die ganzeLehre als beabsichtigten Betrug des Paulus erscheinen, der ihre An-erkennung unter Androhung der Verdammnis und des höllischenFeuers erzwingt. Es kennzeichnet bereits deutlich die Art der vomVerfasser gegen die christlichen Lehren gerichteten Angriffe, wennin dem Titel des Buches die frohe Botschaft in eine ,schlimme Bot-schaft' verwandelt wird. Die höchste Verunglimpfung stellt es dar,wenn der Verfasser Jesus die von ihm selbst verkündeten Lehren leug-nen läßt, indem er ihn zu Paulus, der nach der Geschichte niemals mitihm in Berührung gekommen ist, ,Es gibt kein ewiges Leben' sagenoder anderweit äußern läßt: ,Der verweste Gott ist der hilflos Miß-brauchte, der Ekelverkündete', ,Wer kann wen erlösen? Niemandkeinen.' Der Angeklagte Einstein verstärkt diese Äußerung noch aus-drücklich selbst dadurch, daß er von einem Mann sagt, es sei einerder Leute, die aus Ekel vor sich selbst den Leichnam Jesu vertauschenWerden. Diese Darstellungen und Äußerungen des Verfassers, sowiedie völlig erdichteten Worte Jesu haben mit einer zulässigen sachlichenKritik gegenüber den christlichen Lehren und deren Verkündung nichtsgemein, sie sind objektiv lediglich als eine grobe Herabwürdigung derwichtigsten christlichen Lehren zu werten, durch die die christlicheKirche selbst betroffen und beschimpft wird.