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1 (1924)
Seite
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EINSTEIN i4 2

vom 27. Januar — das vorschriftsmäßige Ärgernis genommen hatte:ein Fabrikant Ernst Schaufler aus Reutlingen suchte durch ein mit400 Mark bezahltes Inserat „nach gleichgesinnten Christen, die dabeihelfen wollen, daß gegen den Verfasser der Broschüre ein gericht-liches Verfahren eingeleitet wird". Nach der Anklageschrift fand sichnur ein „Gleichgesinnter": der Superintendent Hammer in Nord-hausen. Reutlingen in Schwaben und Nordhausen, beide ehemals freieReichsstädte, unterzöget sich nun der Herkulesarbeit: der Reinigungdes verpesteten Augiasstalles Berlin.

Am 15. März 1922 verfügte das Amtsgericht Berlin-Schöneberg —auf die Anzeige jener beiden Zeugen hin — die Beschlagnahme der„Schlimmen Botschaft", und am 10. August erhob der Oberstaats-anwalt Dr. Ortmann beim Landgericht II die Anklage, nachdem alsZeugen und Sachverständige zwei Priester in Berlin gehört worden:Dr. Max Mauff, Pfarrer an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, undKuratus Wienken als Vertreter der katholischen Geistlichkeit.

Die Beschlagnahmeverfügung beantwortete der Rechtsbeistand desVerfassers und des mit ihm angeklagten Verlags am 1. Juni durch einerechtfertigende Erwiderung, aus der das von Belang ist, was Einsteinselbst über die Entstehung und Tendenz seines Werkes zu Proto-koll gab:

„Er schrieb dies Buch, um aufzuzeigen, auf welche Art sich Kreise,die das geistige Gesicht der heutigen Gesellschaft entscheidend be-stimmen, zu den ethischen Forderungen, wie sie in Christus verkörpertsind, verhalten. Er mußte die Christusgestalt nehmen, um eine Wir-kung, und zwar eine ethische Erschütterung zu verursachen. Nachseiner Auffassung ist keine andere Erscheinung derartig eng mit denethischen Vorstellungen Europas verwachsen wie Christus. Er wolltezeigen, wie sich die heutige Menschheit verhalten würde, wenn Christusunter sie träte, um so den Riß aufzuweisen, der zwischen dem modernenMenschen und seinem offiziellen Weltbild besteht. Den Pessimismusdes Buches erklärt der Verfasser aus der Kriegszeit und aus der Zeitnach 1918. Um zu einer Heilung der Verhältnisse zu gelangen, er-schien ihm zunächst rückhaltloses Eingeständnis unserer Verworren-heiten notwendig. Für ihn hieß: Schlimmes, das besteht, verbergennur: es unterstützen. Eine theoretische Erörterung überChristus und die Gegenwart hätte nur wenig geändert. Außerdem siehtder Verfasser ethische Konflikte stets nur im praktischen Leben. Erhält also der Zeit ihren Spiegel vor, und dieser Spiegel heißt Christus.Käme Christus heute zu uns und begänne zu lehren, so würde er wie-der getötet und ans Kreuz geschlagen werden, zumal er sich nicht da-mit begnügte, Änderungen des Politischen zu verlangen — eine An-gelegenheit zweiten Ranges —, sondern bestimmt und schroff dieÄnderung des einzelnen Menschen verlangt; so würde er auf den