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1 (1924)
Seite
52
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v. BAUERNFELD 52

(„Alt- und Neu-Wien", Ausgabe Horner IV, 170f.), „sollte dem öster-reichischen Systeme' selber zu Leibe gegangen werden. Das Ding warunter den gegebenen Zensurverhältnissen nicht so leicht zu machen.Ich arbeitete .Großjährig' im Laufe eines Jahres drei-, viermal um,schrieb es erst in vier Akten, dann in drei, zuletzt in zweien. In dieserGestalt lernte es Alexander Baumann kennen. Er diente im Bureaudes Grafen Kolowrat, der ihm ungemein gewogen war, ihn auch aufdas Landgut mitnahm, wohin sich der Staats- und Konferenzministerzur Sommerszeit gewöhnlich für einige Monate cum otio et dignitatezurückzog. Zur Erheiterung des Staatsmannes wurde dort bisweilenauch von Dilettanten Komödie gespielt. Baumann ersuchte mich nun,ihm das Lustspiel für die gräfliche Hausbühne zu überlassen; er selbstwollte den Schmerl spielen, Mathilde Wildauer werde die Rolle derLiebhaberin übernehmen. Und so geschah es auch. Der Graf fand dasStück .scharmant', und die Privataufführung bahnte der Satire im No-vember 1846 [16. November] den Weg auf die Bretter des Hofburg-theaters . . . Wenige Tage nach der ersten Aufführung des Lustspielshatte sich Erzherzog Ludwig, als er ins Theater ging, gegen den Grafengeäußert: er höre, daß er (der Erzherzog) in dem Stücke vorkomme.Der Graf versicherte hoch und teuer, daß in dem harmlosen bürger-lichen Lustspiel von derlei Anspielungen durchaus nicht die Rede sei.Wieder einige Tage darauf sagte ihm der Erzherzog, der einen ge-wissen trockenen Humor besaß: ,Ich hab das Stück gestern gesehen— ich komm' doch darin vor und Sie eigentlich auch!' . . . Man lachteüber .Blase' und sein .Abwarten', konnte sich aber zu gleicher Zeit derentsetzlichen Auftritte in Galizien (vom Februar 1846) erinnern, welchedurch das ominöse Abwarten herbeigeführt worden. — Die elfte Stundehatte geschlagen. Das österreichische ,Mene Tekel' wurde bereits ander Wand sichtbar." — „Merkwürdig," fügt Bauernfeld hinzu, „daßdas Stück zugleich mit dem alten Systeme [1848] verschwand. Dasneue fürchtet sich doch nicht etwa auch vor dem .Blase'?"

Unterdes hatte Bauernfeld auch noch einen andern Hieb gegen dieZensur geführt. Im März 1842 beschäftigte ihn ein „Promemoria anGraf Kolowrat, der Censur wegen", wie sein Tagebuch meldet. Dar-aus wurde eine weitläufige Arbeit, die er den „Hallischen Jahrbüchern"anbot, die seit Juli 1841 unter dem Titel „Deutsche Jahrbücher" inLeipzig bei Otto Wigand erschienen, um der preußischen Zensur zuentgehen. Die Arbeit erwies sich aber als zu umfangreich, und derHerausgeber Arnold Rüge gewann den Verleger Wigand dafür, sie alsBroschüre drucken zu lassen. So erschienen im Herbst 1841 die ,JPiadesideria eines österreichischen Schriftstellers". Der Titel lehnte sichwohl an die in ihrer Art klassische Schrift des Theologen Phil. Jak.Spener an, dessen „Pia desideria" 1675 das Programm des Pietismusschufen. Bauernfelds Broschüre trug ein Motto von Friedrich v. Gentz: