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2 (1928)
Entstehung
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598
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WERNER 598

für sich überaus schwachen Stückes nicht entscheidend ins Gewichtfallen zu können." Aus diesen Gründen habe er gemeinsam mit demKultusminister die beantragte Aufführung erlaubt.

Die kirchlichen Streitigkeiten, auf die Graf Eulenburg hinwies,gingen wie fünfzig Jahre zuvor um die von Friedrich Wilhelm III.geschaffene Union der Lutheraner und Reformierten. Durch denAnschluß Hannovers und Schleswig-Holsteins mit ihren rein luthe-rischen Landeskirchen war die Frage aufs neue aktuell geworden;Wilhelm I. hatte den Streit damit schlichten zu können geglaubt, daßer beiden Ländern die Annahme der Union nach eigenem Ermessenüberließ, aber mit diesem Verzicht auf jeden Gewissenszwang einegewaltige Agitation der Orthodoxie ins Leben gerufen. — DemGrafen Eulenburg schien das in Rede stehende Stück, das er schwer-lich gekannt haben dürfte, noch belangloser als seinem Vorgänger;das ist einmal das Schicksal eines Dichtwerkes, daß es jede Ver-legenheit, die es amtlich bereitet, mit einer progressiven Abnahmeseiner Geltung bezahlen muß.

Dem Könige leuchteten aber die Erwägungen seines Ministersdurchaus nicht ein; er wiederholte am 22. sein dem Polizeipräsidiumausgesprochenes Verbot und sah sich „auch nach Einsicht IhresBerichtes außer Stande eine Abweichung von meiner genanntenBestimmung zu genehmigen".

Gleichwohl kam es zu dieser „Abweichung" bereits nach vierJahren. Am 6. April 1872 kam das Viktoriatheater (unter der Direk-tion Emil Hahn) abermals um die Genehmigung ein und erhielt sieam 9. vom Polizeipräsidium, lediglich mit der Einschränkung, daßder Name Martin Luther im Titel fortgelassen werde. Daraufhinsetzte im März 1877 auch das Nationaltheater, wo wieder Otto Leh-feld in seinen Glanzrollen gastierte, die „Weihe der Kraft" ohneweiteres aufs Repertoire, und die Polizei ließ es gewähren; doch habeder Direktor Buchholz es zu verantworten, wenn etwa das Stückselbst Anlaß zu einem nachträglichen Verbot geben sollte. Die Dar-stellung Luthers durch Lehfeld erregte große Begeisterung, und die„Staatsbürgerzeitung" vom 27. März erklärte, ein Stück wie die„Weihe der Kraft" dürfe „niemals von dem Repertoir unserer bessernBühnen verschwinden". Noch im selben Jahre (25. November 1877)versuchte sich auch das Bellealliancetheater an einer Darstellung,1883 folgten das Louisenstädtische und das Ostendtheater, und imSeptember 1888 brachte das Berliner Theater eine neue Bearbeitungdes Stückes von Dr. August Förster, dem bekannten Schauspielerund Theaterdirektor, heraus. So erlebte Werners „Weihe der Kraft"eine Wiederauferstehung, von der sich die Minister v. Mühler undEulenburg oder gar Schuckmann von anno 1817 gewiß nichts hättenträumen lassen. Die Genehmigung des Königs einzuholen, wegen