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2 (1928)
Entstehung
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579 WERNER

jedem Fall die in einer Recension des Schauspiels übel angebrachteErwähnung der alten Streitigkeiten auf den größten Theil des nichtunterrichteten Publicums in Absicht des Charakters des Reformatorsnachteilig wirken müsse, mithin eine sträfliche Absicht des Ver-fassers vermuten lasse", stellte Goldbeck doch anheim, es bei einerVerwarnung zu belassen, da sich Voß durch das allerhöchste Miß-fallen schon hart bestraft fühle. — Damit erklärte sich der Königam 29. Juli einverstanden; obwohl er die Rechtfertigung des Kritikers„um so weniger annehmen" könne, „als die von ihm angeführteAuthoritas noch mehr beweiset, daß es ihm mit der gerügten Be-merkung ein Ernst gewesen, oder er keinen Unterschied zu machenverstanden hat, zwischen dem was man in wissenschaftlichen Werkender gelehrten Welt zur Prüfung vorlegen kann, und dem was manin allgemein gelesenen Zeitungen vortragen darf", möge es bei der„Warnung, künftig mit mehr Vorsicht und Klugheit zu Werke zugehen", bleiben; mit Goldbecks neuen Zensuranweisungen sei ereinverstanden, es müßten aber noch „die Redacteurs der Zeitungenfür die Beobachtung der Censur-Vorschriften verantwortlich" ge-macht werden. Am 2. August erhielten also Voß seine Warnung, dieVerleger den Befehl wegen etwaiger Redaktionsveränderungen, diesie sofort dem Minister mitzuteilen hätten, und die Redakteure dieunangenehme Nachricht, daß sie hinfort für die Befolgung derZensurvorschriften „ausdrücklich verantwortlich" seien. Catel, dernach der Angabe seines Verlegers für den ganzen Inhalt der „Vossi-schen" einzustehen hatte, mußte sich also von jetzt an bei jedemArtikel überzeugen, ob auch das Imprimatur des Zensors vorlag;Ben David aber antwortete am 7. August, daß er nur für die Aufsätzedie Verantwortung übernehmen könne, die unter seine Kompetenzfielen, also für den politischen Teil. So wurde die Kritik von Voßüber die „Weihe der Kraft" der Anlaß, daß auch das Feuilleton derBerliner Zeitungen wieder unter Zensur gestellt wurde; es hattesich im letzten Jahrzehnt zu größerer Bedeutung entwickelt undwar, mangels einer besonderen Verfügung, vom Zensor nicht kontrol-liert worden.

Damit war dieser erste, harmlose Zwischenfall, von dem auchIffland erfuhr, erledigt. Unterdes aber war die Opposition, die sichin einem Teil des Publikums gegen Werners Stück regte, auf dieStraße gegangen. Sonderlich ernst war sie allerdings nicht zunehmen, denn sie ging von Offizieren des Regiments Gensdarmesaus, die sich in ihrer Wachstube langweilten. Einer der Haupt-beteiligten, der Adjutant des Prinzen Louis Ferdinand, Karl vonNostitz erzählt die Staatsaktion in seinen Lebenserinnerungen:

„Wir saßen eines Abends im Wachtzimmer im Kreise beisammenund verplauderten die Zeit, der Schwanke gedenkend, welche wir

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