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Bis zur völligen Aufhebung der Zensur ließ nun Mundt seine zahl-reichen neuen Bücher fast alle in Berlin erscheinen, die meisten beiM. Simion. Beschlagnahmt wurde keines mehr von ihnen; nur eineBroschüre, die eine Sammlung „Fragen des Tages" eröffnen sollte,erregte Anstoß. Ihr Titel lautete: „Der heilige Geist und der Zeit-geist. Zwölf Capitel, den Reformfreunden auf katholischem, protestan-tischem und jüdischem Gebiet gewidmet" (Berlin, Myliussche Ver-lagshandlung. 1845). Wenigstens sah sich KammergerichtsassessorLischke auf Befehl des Innenministers v. Arnim, veranlaßt, darüberam 7. Januar 1845 ein Gutachten abzugeben. Mundt verfolge, so er-klärte er, darin den neuerdings fast zur fixen Idee bei ihm gewordenenGedanken, „daß der Zeitpunkt gekommen sei, um die von Luther nurdem innern Menschen erworbene Befreiung — worüber er übrigensin seiner chaotischen Begriffsverwirrung seinen Pantheismus ver-steht ! — auch dem äußern Menschen zu erringen und die politischenVerhältnisse demnach .gleichfalls immanent', d. h. nach dem Prinzipder Volkssouveränität umzugestalten". Ein zweites Heft der Samm-lung „Fragen der Zeit" sei von der Zensur beanstandet worden, seit-dem habe nichts mehr darüber verlautet. Eine Beschlagnahme des„Heiligen Geistes" scheint aber nicht erfolgt zu sein. In Österreichdurfte diese Broschüre nur erga schedam, mit besonderer persön-licher Erlaubnis, verkauft werden.
[Benutzte Akten: Geheimes Preußisches Staatsarchiv Rep. 77II Gen. 74; Rep. 77 II Spec. L 21; Rep. 77 II Spec. M 34; Rep. 77Tit. 53 Nr. 30; Rep. 89 C XII Nr. 50; Rep. 92 Schulze Nr. 25; Rep.101 D Gen. 57; Rep. 101 E Spec. M 33.]
PFIZER, PAUL (1801—1867).
Paul Pfizer, einer der bedeutendsten politischen Publizisten Süd-deutschlands, ist einer der wenigen nichtadeligen liberalen LieblingeHeinrich v. Treitschkes, denn dieser „tapfre Schwabe" hatte denMut, in einem 1831 — übrigens anonym — erschienenen Buche„Briefwechsel zweier Deutschen" die Losung auszugeben: Los vonÖsterreich, Bildung eines neuen deutschen Bundes unter der Führer-schaft Preußens. Nun war dieser Vorschlag, wenn ihn auch Pfizermit bis dahin nicht gewagtem Nachdruck in den Vordergrund schob,keineswegs so unerhört neu, wie man nach Treitschkes Darstellungglauben muß, worüber schon Pfizers Biograph Wilhelm Lang undspäter Johannes Proeis einiges gesagt haben. Aber Treitschke istja in seiner Liebe und seinem Haß alles eher denn Historiker; ernimmt sich die Freiheit des Dichters, der, etwa in einem geschicht-lichen Drama, gewisse Zeitregungen in einer Persönlichkeit sym-bolisiert, wodurch er, als Dichter, eine einheitliche und weit stärkereWirkung erzielt. Für den preußischen Historiographien hatte diese