Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
496
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MUNDT 496

langt, so kann sie wohl nicht als eine glückliche bezeichnet werden;denn — wenn nicht überhaupt und an sich — war es doch gewiß füreinen zur Kathegorie des sogenannten jungen Deutschlands ge-hörigen Schriftsteller bedenklich und mislich einen religiös-politi-schen Schwärmer, einen wüthenden Eiferer und Volksaufwiegler,wie Th. Müntzer, der in das besonnene, reine ReformationswerkLuthers mit freventlicher Hand gewaltthätig eingegriffen und sichnicht minder als Widersacher des großen Reformators wie des Pabstesgezeigt hat, zum Helden eines historischen Romans zu machen.

Daß es in einem solchen Werke, in welchem Th. Müntzer so häufigredend eingeführt wird, an mannigfachen fanatischen Herüberziehenvon Religionswahrheiten in die Politik sowie an anderen Anstößig-keiten nicht fehlen könne, liegt in der Natur der Sache; und wennauch das persönliche Auftreten Luthers, in seiner rein frommenwürdigen Haltung und in seinem wahrhaft gottbegeisterten Eifergegen das freventliche Treiben der Volksaufwiegler ein bedeutendesGegengewicht giebt, so kann doch, der Anlage des ganzen Werksgemäß, sein Erscheinen natürlich nicht einen so großen Raum ein-nehmen. Müntzer ist nun doch einmal der Held des Romans und seintragisches Ende ist, zumal so wie es hier dargestellt wird, wohl ge-eignet, ein sympathisches Bedauern für ihn in Anspruch zu nehmen,wo nicht ihn als Märtyrer der Volksfreiheit erscheinen zu lassen; wiedenn auch der Verfasser besonders im letzten Abschnitt des3ten Theils sich anscheinend einiges Haders gegen die göttlicheFügung und einer gewissen Bitterkeit gegen die obsiegende Fürsten-gewalt nicht erwehren kann. Ohne hier weiter auf Einzelheiten desvorliegenden Werks einzugehen, glaube ich nur noch Folgendes be-merken zu müssen. Ueber die Tendenz desselben spricht der Ver-fasser selbst sich im Vorwort folgendermaßen aus:

.Diese Darstellung, welche unsere wichtigsten deutschen Na-tional-Ueberlieferungen in einem gedrängten und allgemeinanschaulichen Bild zusammen fassen will, suchte der Poesievorzugsweise den vorurtheilsfreien und wahrhaft volkstüm-lichen Standpunct, der Geschichte aber die unumstößliche Be-gründung der Thatsachen zu verdanken.'

Inwiefern er diese Aufgabe in letzterer Beziehung gelöst habe, inwie-weit namentlich die Darstellung der letzten Lebensstunden Müntzersund seines Benehmens bei der Hinrichtung völlig historisch be-gründet und von poetischer Fiction ganz frei sey, muß ich umso mehrdahin gestellt seyn lassen, als dem Verfasser (seinem Vorworte zu-folge) außer den bekanntern neueren Werken, ,die ältesten Ge-schichtsschreiber des Bauernkrieges und Thomas Müntzers, aber aucheinige für diesen Zweck zum erstenmale benutzte Urkunden dazu