Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
495
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495 MUNDT

Ä. W. Schlegels „Sämtliche Werke" erschienen, deutete wohlmancher das im 2. Band (S. 222) sich findende Epigramm „DieKatheder-Beichte" auf ihn: „Nun bist du zu Kreuz gekrochen" usw.Der Refrain der zweiten Strophe: „Hund, Hund, Hund," legte vonselbst den Reim Mundt auf die Zunge.

Der vom Polizeipräsidenten erwähnte „Pilot" war eine zweite Zeit-schrift, die Mundt 1840, ebenfalls im Verlag Hammerich zu Altona,herausgab. Sie nannte sich „Der Pilot. Allgemeine Revue der ein-heimischen und ausländischen Literatur- und V ölherzustände", recht-fertigte diesen Titel aber recht wenig und fand so geringe Ver-breitung, daß sie heute fast völlig verschollen ist. Gedruckt wurdesie bei B. G. Teubner und auch in Leipzig zensiert. Der Name des!Herausgebers war auch bis 1842 nicht genannt; es hieß: „Heraus-gegeben von der Redaktion des Freihafen." Den „Piloten" redigierteaber Mundt nur bis zum 2. August 1842; mit seinem Eintritt in dieDozentenschaft der Berliner Universität gab er die Leitung an Dr.Friedrich Saß ab, der meist unter dem Pseudonym Alexander Solt-wedel schrieb. Am 9. Mai 1843 ging das Blatt „infolge unabänder-licher Verhältnisse" plötzlich ein. Die Nummer vom 7. November1842 war wegen eines „auf sehr auffallende und unschickliche WeisePersifflirenden Artikels über den erlauchten Verfasser der Walhalla-genossen", König Ludwig von Bayern, in München beschlag-nahmt worden, wie der sächsische Gesandte am 17. Dezember vor-wurfsvoll berichtete. Ähnliche Vorfälle werden wohl das sächsischeMinisterium 1843 veranlaßt haben, den „Piloten" ganz zu unter-drücken. Der Berliner Polizeipräsident meinte also den „Freihafen",den Mundt noch zwei Jahre lang redigierte. Seit Sommer 1842 warMundt eifriger Korrespondent der „Leipziger Allgemeinen Zeitung";ob diese seine Tätigkeit die Vorwürfe verdiente, die Varnhagen undandere gegen seine journalistische Wandlungsfähigkeit erhoben,bedarf noch genauerer Untersuchung. Ein halbes Jahr später wurdedies Leipziger Blatt in Preußen verboten und erst im Sommer 1843unter dem Titel „Deutsche Allgemeine Zeitung" wieder zugelassen. —-

Bevor Mundts bürgerliche Rehabilitation erfolgte, hatte er nocheine letzte Korrespondenz mit dem Oberzensurkollegium. Im Fe-bruar 1842 war sein Roman „Thomas Müntzer" bei Hammerich inAltona erschienen; am 13. Februar legte er ihn zur Prüfung vor;,in dieser Zeit banger Erwartung auf die Entscheidung des Königsdurfte er sich keine kleinste Unterlassungssünde zuschulden kommenlassen. Dieser Roman war das letzte jungdeutsche Werk, an demHofrat John als Spezialzensor seinen Scharfsinn zu üben hatte. Ererklärte dazu:

„Was zuvörderst die Wahl des Gegenstandes dieses Romans an-