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sie biegsamer und unbegrenzter sei und mit einer großen Keckheitder Darstellung in alle Gebiete des inneren und äußeren Lebensübergreifen könne, wobei ihr die Zensur nicht so leicht auf dieSprünge kam. „Die Novelle", hatte er in seiner ironischen Maniergespöttelt, „nistet sich noch am meisten in Stuben und Familien ein,sitzt mit zu Tische und belauscht das Abendgespräch, und man kannda dem Herrn Papa zur guten Stunde etwas unter die Nachtmützeschieben oder dem Herrn Sohn bei gemächlicher Pfeife eine Rich-tung einflüstern, die vielleicht einmal für die ganze Nation Folgenhaben mag . , . man muß große Lebensgebilde erträumen und sie inNovellenform den Deutschen aufs Zimmer schicken. Die Novellesteht sich mit der Polizei besser, und sie flüchtet sich auf die Stube,wo es keine Gendarmerie giebt. In seiner Stube ist der Deutsche auchein ganz anderer Mensch, da kann man mit ihm reden. Hier sitzt erstill und läßt sich gern für alles begeistern, er glaubt an die Freiheit,und schwört auf ein höheres Nationalleben. Er sieht ein, wo ihmUnrecht geschieht und Recht widerfahren muß ... In dieser seinerglücklichen Stimmung muß ihn die Novelle zu Haus zu treffensuchen. Mitten in der Trägheit der Novellenleserei, wo er recht zufaulenzen glaubt, muß sie ihm einen Floh ins Ohr setzen, und mußihn allmählich durch Gebilde eines glückseligeren, kräftigeren, hoch-herzigeren Lebens überraschen, daß er vor Ungeduld und Sehnsuchtganz unbändig wird. So fasse ich die Novelle als deutsches Haustierauf und als solches ist sie mir jetzt die berufenste Kunstform, dasHöchste darzustellen." Solche Worte waren ein Programm für dasganze „Junge Deutschland", das sich aus den Fragmenten und Brie-fen heraus nach einer künstlerischen Form sehnte, die imstande war,die gährenden Probleme der Gegenwart zu fassen. „Wein, verhülltin Novellenstroh", schrieb Gutzkow an Georg Büchner. Aus diesemProgramm folgte die Führerschaft der Prosa, des Romans, der dennauch in der nachfolgenden Periode zu einer ungewöhnlichen Ent-faltung kam.
Einer der akademischen Gönner Mundts, der Professor Göschel,auch Hilfsarbeiter im Justizministerium, hatte im Oktober 1834 jeneNovelle Mundts in den „Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik",die sich sonst um die jüngste noch unreife Literatur nicht kümmerten,und deren Mitarbeiter Mundt schon 1833 zu sein gewürdigt wurde,mit freundschaftlichem Lobe überhäuft, und kaum ein halbes Jahrspäter mußten dieselben „Jahrbücher" eine Kritik Göscheis überMundts neuestes Werk „Madonna" zurückweisen, ihrer lärmendenHeftigkeit wegen, die sich dann an einem würdigeren Orte, in Heng-stenbergs „Evangelischer Kirchenzeitung", austoben durfte (vgl.S. 407). Der Rumor, den das Buch machte, ist heute schlechterdingskaum mehr zu verstehen; Hegel war in den Konsequenzen seines