MUNDT 3 66
lassung zur Dozentur erfolgte, er hielt seine Probevorlesung undsollte mit einer öffentlichen am 29. April 1835 diese Präliminarienbeschließen. Als er aber mit seinem Kollegheft ankam, fand er dieTür der Aula gerade seinetwegen geschlossen. (Die Akten darübersind in einer gediegenen Marburger Dissertation ,,Th. Mundt undseine Beziehungen zum jungen Deutschland" von Otto Draeger I9°9veröffentlicht worden.) Der Rektor Steffens hatte wegen der ebenerschienenen „Madonna" im letzten Augenblick selbstherrlich seinVeto eingelegt. War bis dahin sein Talent durch die notwendigeProtektion vorgeschoben worden, im entscheidenden Augenblickscheiterte alles an einer einzigen Persönlichkeit, und die nun sicherhebende Razzia gegen das „Junge Deutschland" im Herbst io3smachte einstweilen akademischen Plänen ein Ende. Aber Mundt warhartnäckig; er wandte sich nicht mit Trotz und Haß ab, sondernwartete auf seine Zeit und eine ruhigere Stimmung. Und 1842 solles wieder persönliche Fürsprache gewesen sein, die ihm wirklich dieakademische Karriere in Berlin eröffnete, die des alten PhilosophenSchelling, worüber zwar Genaueres nicht bekannt ist. Bis 1848 blieber nun an der Berliner Universität; dann hielt das Ministerium esfür heilsam, ihn aus dem Mittelpunkt der revolutionären Strömungzu entfernen, und „oktroyierte" ihn der Breslauer Universität auf-1850 wurde er als Professor nach Berlin zurückberufen und erhieltein Amt als Bibliothekar, wofür er auf seine Vorlesungen verzichtete.Ein Zwist mit dem Oberbibliothekar Pertz hatte später zur Folge,daß man ihn auf Wartegeld setzte; in den abstumpfenden Mechanis-mus der Bibliotheksverwaltung konnte er sich wohl ebensowenigfinden, wie einstmals sein Freund Heinrich Stieglitz. Weitere Phasenseines Lebens verhinderte dann sein früher Tod im Jahre 1861.
Was war nun so Gefährliches an jener „Madonna" und an Mundtsjungdeutscher Novellistik, das ihn aus dem Kreise der Universitätverstieß, ihm dafür aber eine historische Bedeutung in der Geschichteder Literatur verschaffte? Es erfordert die Abstreifung unsererganzen modernen Vorurteilslosigkeit gegenüber den Problemen, dieder Dichter behandeln darf oder nicht, um sich in die „Rören"-hafteEmpfindsamkeit eines Mitgliedes des damaligen Oberzensurkollegi-ums zurückzuversetzen und mit den Korrekten, wie Steffens, zu fühlen,von dem man eigentlich glauben sollte, daß er durch seine zahlreichenpersönlichen Berührungen mit der romantischen Schule, die in punctopuneti doch von einer rührenden Unbefangenheit war, etwas ab-gebrüht gewesen wäre. Mundt hatte 1834 eine Novelle „ModerneLebenswirren" veröffentlicht, die durch geistreiche Einfälle und eineArt politisch-poetischer Symbolik, trotz aller künstlerischen Schwä-chen, Interesse erregte. Hier hatte er gerade der Novelle eine be-deutende Mission innerhalb der modernen Literatur zugewiesen, weil