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seiner selbst zurechtlegte. Diese ironische Note ist ihm dauernd ver-blieben, sie gehört zu — nein, sie i s t sein literarischer Charakter;sie war ein schmiegsamer Panzer, an dem alles abprallte, und der«ich drehen und wenden ließ, wie der Moment es verlangte. DieIronie befreite ihn aus jeder Verlegenheit. Scherz oder Ernst? daskam auf die Auffassung an. Es ist kein Zufall, daß Mundt das Wort,,Bewegungsliteratur" erfand, mit dem er in den Frühstunden des.Jungen Deutschlands" stark paradierte. Sie wurde bei ihm etwasChamäleonartiges, und Varnhagen war nicht der einzige, der sichüber die Haltlosigkeit seines Charakters und seiner Gesinnungen ent-rüstete. Hegel, Goethe, Heine, Steffens, Freiheit, Schönheit, daswaren ihm alles Durchgangsstadien, die überwunden werden mußten;die Julirevolution, die damals alle Jugend in Aufruhr setzte, machteauf ihn keinen Eindruck. Es gehörte eine rasche Überwindungs-fähigkeit dazu, unmittelbar am Grabe der Charlotte Stieglitz als ihrintimster Freund aus diesem erschütternden Erlebnis gleich ein Buchzu machen, übrigens ein schönes, das innerlichste, das er neben seiner,,Madonna" je geschaffen. Er liebte jene Frau gewiß, aber er wareiner großen Leidenschaft nicht fähig, und dieses Verhältnis hat sichdaher immer in idealen Bahnen gehalten, was auch darüber gefaseltwerden mag.
Mundt hat sich niemals einer Sache rückhaltlos hingegeben, unddiese vorsichtige, gemessene Art, verbunden mit einem gewinnen-den einnehmenden Äußeren, hat ihm frühzeitig Freunde und Gönnerverschafft, besonders in der beamteten akademischen Welt, die starkeTemperamente nicht brauchen kann, und der er zustrebte; dies Ge-fühl der inneren Wurschtigkeit nannte sich dann philosophische odergar Goethesche Ruhe. So war es ihm ohne weiteres möglich gewesen,noch in seiner ersten Zeit, wo er immerhin als Liberaler geltenkonnte, für das halbamtliche Organ, die „Preußische Staatszeitung' -politische Mitarbeit zu verrichten; er gewann sich dadurch die Ge-neigtheit ihres Leiters, des Geh. Legationsrats Philippsborn, der leichtin der Lage war, ihm zu nützen. Dann trat er mit Varnhagen in Ver-bindung, der ihm seine zahlreichen und einflußreichen Bekannt-schaften gern zur Verfügung stellte und sich allenthalben für ihnverwandte. 1834 stand Mundt beim damaligen Kultusminister v. Alten-stein im besten Ansehen, in seinem Auftrag gab er K. L. v. KnebelsNachlaß heraus (vgl. den Artikel Knebel, S. 32Qff.), und der Vor-tragende Rat Johannes Schulze gab sich alle Mühe, die vielversprechendeFeder Mundts für den Staatsdienst zu gewinnen; er sollte Privat-dozent und zugleich Expedient im Ministerium werden. Mundt ließsich das nicht zweimal sagen, und Ende 1834 begann er, sich aufseine akademische Laufbahn ernstlich zu rüsten. Die Fakultät wußteauch an seiner geistigen Befähigung nichts auszusetzen; seine Zu-