Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
345
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345 v - KNEBEL

nächst dem Minister von Altenstein vor und dann ebenfalls Varn-hagen, dem er es mit folgenden Zeilen übersandte:

„Verehrtester Herr Geheimer Rath! Ich erlaube mir, Ihnen hierdie Vorrede zum dritten Bande Knebels zu senden. Herr von Alten-stein, der sie bereits gelesen, hat sie sehr gebilligt, und nur dieAuslassung der auf der letzten Seite mit Rothstift eingeklammertenSätze gerathen. Sonst ist er mit allen andern persönlichen Erwäh-nungen einverstanden, bei jener Auslassung aber wohl meistentheilsvon der Ansicht ausgegangen, daß es nicht klug sei, mir den Anscheinzu geben, als wenn ich pro domo spräche! Ich wünsche sehr, nunauch Ihre Meinung zu hören, und darf wohl so frei sein, Sie morgenNachmittag deshalb zu besuchen.

Mit ergebenster Empfehlung verehrungsvollBerlin d. 22. Febr. 36. Th. Mundt."

Am 25. Februar schickte er das Vorwort dann an den LeipzigerVerleger, mit der ausdrücklichen Bemerkung, daß es die Billigungdes Ministers erhalten habe, „die aus mehreren Gründen dazu nötigwar". Gleichwohl erhob jetzt aber der Verleger Bedenken, sandtedas Manuskript zurück und verlangte Änderungen, zu denen sichauch Mundt in seinem nächsten Brief gern bereit erklärte:

„Meine verehrtesten Freunde:Auf Ihr gefälliges Schreiben vom 29. v. M. erlaube ich mir, Ihnenbeifolgend die Vorrede zum dritten Bande Knebels, mit einiger Ab-änderung, wieder zuzusenden. Wäre dies Vorwort lediglich aufmeinen eignen Antrieb geschrieben, so würde ich sogleich IhremWunsch mich fügen und es zurücknehmen. Ich für mein Theil hatteauch nicht daran gedacht, ein solches zu schreiben, aber ich wurde,mit sehr bestimmten Gründen, durch den Herrn Ministervon Altenstein dazu veranlaßt, ich mußte es ferner Seiner Excellenzselbst vorlegen und durfte es Ihnen erst senden, nachdem es des-selben Billigung erhalten. Dies hatte ich leider vergessen, Ihnen dabeizu bemerken, und daher das Mißverständniß. Der Minister glaubte,daß vermutlich auch die literarischen Erwähnungen gegenwärtigerVerhältnisse sehr gut wirken könnten, und strich nur einige Stellenan, die ich demgemäß auch fortließ.

Sie machen nun Ihrerseits mehrere Einwendungen gegen diesesVorwort. Indem ich Ihnen darauf antworte, schicke ich folgendeBemerkungen voraus: 1) daß ich meinerseits Sie niemals nöthigenwerde, das Vorwort zu drucken, sowohl wegen meiner freundschaft-Hchen Stellung zu Ihnen, als weil ich glaube, daß Sie überhaupt vonRechtswegen nicht dazu genöthigt werden können; 2) daß auf denMinister von Altenstein außer dem Dank, der ihm in vieler Hinsicht