Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
320
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JORDAN 3 20

drücken läßt: .Hilf Dir selber, und jammere nicht thatlos um GottesHülfe.' Der liebe Gott hat sich ganz andere Redensarten gnädigstgefallen lassen; aber die Regierung von Gottes Gnaden verurteilteJordan als .Gotteslästerer' zu sechs Wochen Gefängniß. Es waraber auch höchst undankbar gerade von einem Pfarrerssohn, demlieben Gott so öffentlich ein Mißtrauensvotum zu geben! — Seitdiesem Vorfall war Jordan ein .Märtyrer' und wurde aus Sachsenfortgemaßregelt ... Bei dem erwähnten Buchhändlercssen war auchAuerbach, dessen Dorfgeschichten damals Furore machten. Er hatteden Philosophen-Habitus abgelegt und war jetzt ganz gemütlicheiSchwabe." Und als gemütlicher Schwabe hatte er gegen Jordans„Mißtrauensvotum" Einspruch erhoben, wofür dann Jordan i nseinem noch zu erwähnenden „Potpourri mit Arabesken und Seiten-hieben" geradezu neronische Vergeltung übte.

Dieser Protest aus der Versammlung heraus war es zweifellos,der den Staatsanwalt zum Einschreiten veranlaßte: der vorschrifts-mäßige Anstoß war nachweisbar genommen. Zwar stellte sich heraus(weitere Meldung des österreichischen Konfidenten vom 7. Juni).daß Jordans Toast, der polizeilichen Vorschrift gemäß, dem Vor-sitzenden des „Leipziger Literatenvereins" vorher unterbreitet wor-den war, und dieser, Heinrich Laube, kein Bedenken gegen die Re-zitation gehegt hatte. Die Verse waren also nicht weniger dennzweimal zensiert. Trotzdem sah das Gericht den Tatbestand der„Gotteslästerung" als vorliegend an und verurteilte den Dichter undRezitator zu sechs Wochen Gefängnis, und da es damals noch keineBewährungsfrist gab, hat Jordan diese Haft Ende 1846 absitzenmüssen. Die zweite Instanz hatte das Urteil bestätigt. Ob die Prozeß-akten noch vorhanden sind, ließ sich nicht feststellen; ihr Inhaltwürde jedenfalls zu dem aufschlußreichen Büchlein von JohannesHofmann „Die erste deutsche Schriftstellerorganisation und dieSchriftstellerbewegung" (Leipzig, 1921), das jenes Prozesses nichterwähnt, manch wertvolle Ergänzung geben.

Und worin bestand nun diese Gotteslästerung in Jordans Gedicht„Der Schiffer und der Gott"?

Die Windsbraut tanzt mit dem Schifflein wildDen tödlichen Hochzeitsreigen;Der Schiffer kniet vor dem Götzenbild,Das will sich nicht hülfreich zeigen —

so lautet der Anfang; das übrige verrät die Schlußstrophe:

Er schleudert den Götzen über Bord,Statt zu beten ergreift er das Steuer: —In selbiger Nacht erblickt' er den PortUnd das Rettung leuchtende Feuer.