Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
319
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319 JORDAN

e r schrieb zum i. Teil (1844) die Vorrede und zeichnete einen Bei-trag darin, eine Kriminalnovelle aus dem 16. Jahrhundert, „DerDoppelgänger", mit seinem Namen. Der 14. Teil dieser Sammlungbrachte einen Zweitdruck der übrigens vortrefflichen Novelle „DerTote bei St. Annas Kapelle" von dem falschen „O. Ludwig", aberohne Angabe des Verfassers; sie stand zuerst in der Brockhaus-schen „Urania" 1840 und wurde bekanntlich von Gustav Freytag indie erste Gesamtausgabe der Werke Otto Ludwigs aufgenommen.Eine systematische Durchforschung der damaligen Zeitschriften-literatur dürfte noch mancherlei Spuren von Jordans literarischerTätigkeit zutage fördern; der genius loci hatte ihn mit seiner Be-triebsamkeit angesteckt, und er schien auf dem besten Wege, sichals freier Schriftsteller eine behagliche Existenz zu schaffen. Miteinem kleinen väterlichen Erbteil und der Mitgift seiner Frau hatteer sich ein Anwesen in Lindenau gekauft, er durfte glauben, damitauch das sächsische Staatsbürgerrecht gewonnen zu haben und be-rechtigt zu sein, Leipzig als seine zweite Heimat zu betrachten. Abersein eitler Drang, hervorzutreten, als Dichter und Redner zu glänzen,durch knallende Phrasen, die ihm leicht von der Zunge schössen,Zuhörer zu lärmendem Jubel fortzureißen, machte dem Stilleben ander Pleiße unversehens ein Ende.

Zu Rezitationen und Improvisationen boten die Leipziger Lite-raturvereine willkommene Gelegenheit. In der Sammlung „Schaum"bezeichnet er zwei Gedichte („Der Dampf und die Romantik" und„Jubiläum") als Improvisationen in der „Reimschmiede", einemLeipziger Poetenkränzchen 1844. Die Fußnote zu einem andern Ge-dicht „Der Schiffer und der Gott", das bereits 1842 in Königsbergentstanden war, berichtet: „Für dies Gedicht wurde ich von säch-sischen Richtern in zwei Instanzen, nachdem es mit Censurerlaubnißgedruckt war, zu sechs Wochen Gefängniß verurteilt." Der ersteDruck-ort ließ sich bisher nicht feststellen. Die Verurteilung erfolgte auchnicht wegen des Drucks, sondern wegen öffentlichen Vortrags diesesGedichts; gegen Vorlesungen dieser Art war die sächsische Polizei,ebenso wie die preußische (vgl. oben S. 308ff.), sehr nervös geworden.Einer der „Konfidenten" oder Spitzel, die der österreichische Staats-kanzler Metternich in Leipzig besoldete, berichtete über diesen Vor-fall unterm 9. Mai: „Zu den Unterhaltungen der Schriftstellerver-sammlung muß ich bemerken, daß der Königsberger, hier wohnendeLiterat Dr. Wilhelm Jordan (nicht der Slave) einen Toast auf ,Über-bordwerfung der alten Götzen' (des Glaubens) ausbrachte. Niemandstimmte indes ein und Auerbach sprach gegen Jordan, wofür er allge-meinen Applaus erhielt." Auch Otto von Corvin erzählt davon: „Beieinem Buchhändlerdiner, im Hotel de Prusse, brachte Jordan einenToast aus, dessen Inhalt sich in der Kürze mit den Worten aus-