Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
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315
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315 JORDAN

schriebenen Verleger Egbert Bauer in Charlottenburg, dem Brudervon Bruno und Edgar Bauer, erschienen, eine Satire auf die vomKönig angeregte Feier der Teilung des Fränkischen Reiches durchden Vertrag zu Verdun (August 843), hatte im Ministerium pein-lichstes Aufsehen erregt, da es ganz ordnungsgemäß mit BerlinerZensur erschienen war! Der schuldige Zensor, ein Graf FriedrichGeorg Albert v. Flemming, wurde dieserhalb im September scharfzur Verantwortung gezogen; er entschuldigte sich damit: das Gedichthabe keinen erheblichen literarischen Wert gehabt und keine neuenIdeen zutage gefördert, ein tiefer und bleibender Eindruck sei dahernicht von ihm zu befürchten gewesen. Flemmings Vorgesetzte warenanderer Meinung, sie wollten ihn sofort entlassen; schließlich ge-währte man ihm noch eine Galgenfrist, aber als er sich im nächstenhalben Jahr noch zwei ähnliche „grobe Verstöße" zuschulden kom-men ließ, wurde er im April 1844 für völlig untauglich erklärt undseines Amtes Knall und Fall entsetzt. Da der Dichter selbst undsein Verleger durch das Imprimatur des Zensors gedeckt waren,konnte man ihnen nichts anhaben. Aber als sich Jordan nun in Volks-versammlungen unliebsam bemerkbar machte, sein Talent zur Im-provisation in den Dienst der Berliner Volksstimmung stellte, wie siein den dortigen Gaststätten immer bedenklicher und drohender auf-flammte, gab ein solcher Vorfall am 25. November im Waßmann-schen Restaurant der Polizei den erwünschten Anlaß, ihn abzu-schieben. Er hatte zwar einen Paß, lebte aber als Fremder in Berlin,und eine Aufenthaltskarte, die ihm ausgestellt worden war, lief am30. November ab. Er hatte sie nicht erneuert, einen Antrag aufNiederlassungserlaubnis nicht gestellt, und ehe er diese erhielt, hätteer erst nachweisen müssen, ob er den seit 31. Dezember 1842 be-stehenden gesetzlichen Bestimmungen zu genügen imstande war.Formell war also die Polizei im Recht, und diesen Vorteil machtesie sich sofort zunutze, weil Jordan sich ihr Wohlwollen verscherzthatte. Sie erlaubte ihm auch keineswegs, den Erfolg seines Maje-stätsgesuches in Berlin abzuwarten, und so blieb ihm nichts anderesübrig, als am letzten Tag der ihm gestellten Frist, am 15. Dezember,sich auf den Anhalter Bahnhof zu begeben und nach Leipzig abzu-reisen, wo er zunächst Aufenthalt nehmen wollte. Die Polizei beauf-sichtigte jeden seiner Schritte und wußte zu melden: Jordans FreundeBuhl, Meyen und Rutenberg, der Kreis der „Freien" also, und etlicheStudenten hätten die Absicht gehabt, ihm mit einem Extrazug bisJüterbog ein feierliches Komitat zu geben, das sei ihnen aber dochwohl zu teuer geworden, und so sei der Flüchtling ganz schlichtdritter Klasse nach Leipzig abgedampft. Der Leipziger Polizei wurdenatürlich sofort Nachricht gegeben, welchen Zuwachs der dortigenunruhigen Elemente sie zu erwarten habe.