Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
Seite
314
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JORDAN 3 : 4

selben und ihm das vollkommenste Einverständnis über meine An-gelegenheit obwalte.

In tiefster Ehrfurcht Ew. Majestät allerunterthänigster

Berlin den 8ten December 1843.

Schadowsstraße Nr. 1 a. Wilhelm Jordan, Dr. philos.

Das Majestätsgesuch wurde, wie üblich, dem Innenminister zumBericht vorgelegt, und Graf v. Arnim gab unterm 31. Dezember zJordans Angaben, nachdem er sich beim Polizeipräsidenten v. Pu»'kammer orientiert hatte, folgende Erläuterung:

„Der p. Jordan hat zur Zeit noch sein Domicil in Königsberg l. r 'und hielt an dem hiesigen Orte seit dem Frühjahr c. nur als Fremdeund mit einer Aufenthaltskarte versehen bis vor Kurzem sich au •Nachdem er bereits im Sommer d. J. durch die Herausgabe eines.von Egbert Bauer in Charlottenburg verlegten Gedichtes, betitelt:

Zu Deutschlands tausendjährigem Geburtstage dem 6. Aug. i843polizeiliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, weil dieses Pr°'dukt als eine Verspottung der Allerhöchst angeordneten Gedächtnis'feier jenes Tages sich darstellte, machte der Jordan sich neuerdingals ein thätiger Theilnehmer an den, in dem Lokale des RestaurateiirSWaßmann hierselbst von gewissen Literaten und Studenten gehal-tenen Zusammenkünften, gegen welche polizeilich hat eingeschrittenwerden müssen, bemerklich. Insbesondere hat er, amtlichen Ermitte-lungen zufolge, bei der am 25ten v. M. Statt gefundenen Versamm-lung in jenem Lokale durch ein unruhiges, aufregendes Betrage 11sich hervorgethan, und durch den Vortrag eines, angeblich vonSklaverei und Tyrannen handelnden Gedichtes eine gewisse Exal-tation bei den Anwesenden hervorgebracht."

Daraufhin habe der Polizeipräsident am 7. Dezember „unter An-führung der Gründe" die Ausweisung verfügt, und das Ministeriumkönne diese Maßregel nur gutheißen; Arnim beantragte daher Ab-lehnung des Gesuches. Jordan habe übrigens die Ehre gehabt, demKönige bekannt geworden zu sein, da er bei dem Huldigungsfest iflKönigsberg im Auftrag der Studentenschaft ein Gedicht überreichthabe; er sei der Sohn eines geachteten Predigers und werde alsMann von Talent geschildert; um so mehr sei es zu bedauern, daßer, „übelberaten, nach Aufgabe seines früheren Studiums der Theo-logie, anstatt einen andern nützlichen Beruf zu erwählen, die jetztvon ihm verfolgte gefährliche Richtung eingeschlagen habe".

Dem Königsberger Dichter war es also ebenso ergangen wie demSchwaben Georg Herwegh: er mußte sein Bündel schnüren, derSüddeutsche mußte Preußen, der Preuße die Hauptstadt seines Lan-des verlassen. Sein Gedicht ,£u Deutschlands tausendjährigem Q e ~burtstage", als Flugblatt bei dem behördlich überaus schlecht ange-