JOHN 294
schon früh geprüfte Gewandtheit in den Rechtswissenschaften, fernereine leichte Fassungskraft und schöne Handschrift, eine angenehmeUnterhaltung, eine Gabe sich fremden Personen vortheilhaft dar-zustellen, nicht weniger Aufträge persönlich geschickt auszurichten,machen ihn zu einem sehr erwünschten Gesellschafter." Er würde,erklärte er sogar, nochmals einen Versuch mit ihm gemachthaben, wenn nicht entscheidende Veränderungen in seinem Haus-halt das verböten; Verlohren möge von diesem Zeugnis jeden Ge-brauch machen, der John nützen könne, besonders um dessen Elternwillen, die in Weimar bestens angesehen seien und in freundschaft-lichem Verhältnis zu seinem Hause stünden. Noch am 3o.-Dezembeihatte Goethe an den Geheimrat Voigt geschrieben, sein Verhältniszu John sei nicht recht „gerathen"; aber er wollte doch dem jungenLuftikus nicht seine weitere Karriere verderben.
Auf dieses Zeugnis hin hatte Verlohren kein Bedenken, sich fürden Bittsteller zu verwenden, und bald darauf war John Registratoiim Polizeibureau des Generalgouvernements, das nach dem Zu-sammenbruch Napoleons das Land seines sächsischen VerbündetenFriedrich August verwaltete; erst wurde diese Verwaltung vonRussen ausgeübt, Anfang November 1814 ging sie an Preußen über.
Der russische Generalgouverneur v. Repnin hatte mit der Leitungder Kriegs- und höheren Sicherheitspolizei den Berliner KriegsratKarl Müchler betraut, den bekannten Anekdotenerzähler, der 1806brotlos geworden war und seitdem kümmerlich von seiner Federlebte. Müchlers Untergebener wurde John. Schon in einem Schreibenvom 13. Oktober 1814 an den Oberappellationsrat von Kamptz, denspäteren Justizminister, rühmte Müchler seinen Gehilfen sehr. BeiderAufgabe bestand zum Teil darin, auf Schriften zu fahnden, die Stim-mung gegen Preußen machten, dem bald darauf durch Entscheidungdes Wiener Kongresses die größere Hälfte Sachsens, das sogenannteHerzogtum Sachsen, einverleibt wurde. Nach erfolgter Teilungverlegten Müchler und John ihre Wirksamkeit nach Merseburg'(6. Juni 1815).
Durch den Besitzwechsel wurden zahlreiche sächsische BeamteUntertanen Preußens. Ein Teil von ihnen blieb gewiß im Herzen gutsächsisch; soweit diese Gesinnung nicht in eine heimliche Agitationgegen die neue Herrschaft ausartete, mußte sich die preußische Re-gierung wohl oder übel damit abfinden und auf künftige Versöhnunghoffen. Müchler aber haßte leidenschaftlich alles, was sächsisch war,und sein Mißtrauen gegen die neuen Preußen kannte keine Grenzen;er witterte überall Verrat, und sein zeitgemäßer Ehrgeiz war, einergewaltigen Verschwörung auf die Spur zu kommen. Sein eigenerArzt, Dr. Weinhold, nannte ihn „halb wahnsinnig" und bezeugte:„Seine Untergebenen benutzten seine Schwäche, und derjenige stand