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2 (1928)
Entstehung
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292
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JOHN 2 9 2

mut wollte ihn Goethe sogleich entlassen; die Sache müsse enEnde nehmen, erklärte er; am 23. Juli schrieb er einen Brief anJohns Eltern, den Christiane in Weimar bestellen sollte, und i ndem Begleitschreiben an seine Gattin machte er seinem Unwillerückhaltlos Luft: „Diese Menschen wie es ihnen wohl geht, wollensich und nicht der Herrschaft leben und so ist es besser manscheidet. Wenn du zu Johns übrigen Untugenden noch eine schwereKranckheit denkst, der man alles verzeihen muß; so stellst du duvor was ich gelitten habe. Er ist prätentiös, speisewählerisch, g e 'näschig, trunkliebend, dämperig [soviel wie schwatzhaft] und arbeitenie zur rechten Zeit . . . John schreibt nur reinlich und gut, weitetleistet er auch nichts und das kann man wohlfeiler haben." Am27. Juli hatte sich Goethe so weit beruhigt, daß er es einstweilenmit John „sachte gehen" lassen wollte, obgleich er bei seiner Arbeian „Wahrheit und Dichtung" seine „adoptive rechte Hand" schwervermißte.

Schlimmer noch ist das Zeugnis, das Goethe drei Jahre spate'(18. März 1816) seinem ehemaligen Sekretär ausstellte, als er durchden Kriminalrat Julius Eduard Hitzig in Berlin um eine Auskunftgebeten wurde: „Heimliche Untugenden, Neigung zu Trunck, Spielu. d. g. wußte er geschickt zu verbergen, doch kamen solche mehrzum Vorschein, als er mich zweymal in's Bad begleitete, besondersaber das letzte Mal im Jahr 1813 in Töplitz. Um seine heimlichenAusgaben zu decken, hatte er Schulden gemacht, nicht eben aufmeinen Namen, aber doch das Zutrauen mißbrauchend, welches ihmdas nahe Verhältniß zu mir verschaffte. Ich entließ ihn." Statt sichweiter in der Rechtswissenschaft auszubilden, fügte Goethe nochhinzu, habe er seine freie Zeit „zu heimlichem Wohlleben und inlustiger Gesellschaft vergeudet". John war also in diesen Jugend-jahren keineswegs ein so trockener Gesell, als den ihn die spätervon ihm geschriebenen Akten vorstellen; sonst hätte sich wohl derunbändige Dichterssohn August schwerlich mit ihm befreundet.

Gewisse Exzesse scheint sich John auch in Weimar geleistet zuhaben, wo es gewiß in der ganzen Stadt bekannt war, wenn ein Ange-stellter aus dem Goethehaus einmal ein Gläschen über den Dursttrank. Eduard Genast, 1814 bis 1817 am Weimarer Hoftheater, er-zählt davon in seinem „Tagebuch eines alten Schauspielers" (186:2,I, 220 ff.) eine drastische Episode, die in F. v. Biedermanns „Ge-sprächen mit Goethe" unterm 2. Mai 1815 eingereiht ist; es wirdHerbst 1813 heißen müssen, woraus sich nun allerdings der Schlußergibt, daß Eduard Genast, der erst im Frühjahr 1814 nach Weimarkam, wie so manche andere Goethegesprächler, Dinge, die sie imGoethehause erzählen hörten, zur Ausschmückung ihrer Erinne-rungen als eigene Erlebnisse vortrugen.