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2 (1928)
Entstehung
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291 JOHN

Lebenslinie interessant; einen jugendlichen Schurkenstreich büßteer sein Leben lang durch eine entsagungs- und arbeitsvolle Sklaven-fron im Dienste seiner Begnadiger, durch eine musterhafte amtlicheFührung, die ihm von allen seinen Vorgesetzten nachgerühmt wurde.Diese reuevolle Bekehrung könnte menschlich für ihn einnehmen,wenn nicht seine erfolgreiche und im amtlichen Sinn ehrenvolleKarriere sich auf der Linie gehalten hätte, auf der er zunächst vonden preußischen Behörden als ein jämmerlicher Wicht betroffenwurde: er war von Haus aus eine Denunziantennatur, und so drängteer sich zu dem Posten, dessen pflichtgetreue Verwaltung ohne dasVorwalten jenes bösen Prinzips damals nicht wohl denkbar war.

John, als Sohn des Pastors in Arnstadt am 25. November 1788geboren, war 1807 Mitschüler Arthur Schopenhauers auf dem Gym-nasium zu Gotha. Als nach dem Tode des Vaters die Mutter denGeh. Kammerrat F. C. Büttner in Weimar heiratete, kam er aufsdortige Gymnasium, studierte in Jena Rechtswissenschaft und pro-movierte zum Dr. jur. et phil. In Jena befreundete er sich mitFriedrich Rückert, der 1811 dort zwei Semester als Privatdozentwirkte, mit Friedrich Förster, dem Lützower Jäger und späterenBerliner Historiker und Dichter, mit K. E. Schubarth, einem derjungen Schildträger Goethes, vor allem aber mit dessen Sohn Augustvon Goethe. Durch seine Fürsprache kam er im März 1812 zurücknach Weimar und fand eine Anstellung in Goethes Haus, er wurdeals Nachfolger Riemers Sekretär des Dichters, der damals mit derNiederschrift seiner Lebenserinnerungen beschäftigt war. WennKarl Gutzkow in seinen „Schöneren Stunden" (1869, S. 235) denspäteren Hofrat John von der Zeit erzählen läßt: „Damals als ichdie .Wahlverwandtschaften' schrieb", so muß hier eine Verwechse-lung mit „Wahrheit und Dichtung" vorliegen.

Erst freute sich Goethe des „unterrichteten, thätigen Freundes"(22. Juni 1812) und nahm ihn in diesem und im folgenden Jahr aufseine Badereise mit. Auf der Fahrt nach Naumburg am 17. April 1813—■ am selben Tag besetzten die Franzosen Weimar — erzählte ihmJohn ein „Thüringer Waldsmärchen", das Goethe sogleich „rhyth-misch ausbildete" und in Teplitz vollendete; so entstand „Der getreueEckart", zu dem also John die Anregung gegeben hat. Dann aberkam ein Zerwürfnis. John genoß die Freuden des Badeortes aufeigene Faust so nachdrücklich, daß er (nach Goethes Tagebuch am3. Juni) erkrankte. Zunächst wurde er „zu besserer Verpflegung"ins „Goldene Schiff" umquartiert; dort scheint er sich etwas erholtzu haben. Am 15. und 16. machte Goethe mit ihm Spazierfahrten,am 24. diktierte er ihm. Aber John kränkelte weiter, und am 18. Julimußte ihn Goethe nach Karlsbad schicken. Die vorgenommenenArbeiten wurden dadurch empfindlich gestört. In seinem ersten Un-

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