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2 (1928)
Entstehung
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281
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281 v. HOLTEI

andere einflußreiche Personen seiner Sympathie für Polen ein ums ° treueres Gedächtnis, vor allen der Geheimrat Tzschoppe, derOrganisator der berüchtigten damaligen Demagogenverfolgungen,c 'er von nun an den Verfasser des „Alten Feldherrn" als eineni.unruhigen Kopf" zu bezeichnen pflegte, weil er einen „Rebellen"wie Kosciuszko gefeiert hatte. Fünf Jahre später versuchte dasKönigreich Polen sich von Rußland unabhängig zu machen, zweiJahre lang beherrschte der neue Freiheitskampf der Polen die euro-päische Politik, Deutschlands Dichterjugend jubelte den Freiheits-helden unter dem weißen Adler zu, zogen sie doch gegen den Erz-.feind, den Russen, dessen Vorherrschaft auch in der deutschenPolitik eine Kulturgefahr bedeutete. Die europäischen Großmächte,vor allem Preußen, sahen aber in dem polnischen Unabhängigkeits-kampf nichts anderes als ein revolutionäres Feuer, wie es in Spanien,Frankreich und auch in Deutschland bedrohlich aufflammte; siemachten mit Rußland gemeinsame Sache, und in diesen Jahrenerneuter Demagogenverfolgungen war es doppelt gefährlich, einmalfür Polen geschwärmt zu haben. —

Es blieb natürlich auch nicht aus, daß nunmehr ein Theaterstückwie der „Alte Feldherr" gelegentlich zu politischen Demonstrationenmißbraucht wurde. So meldete am 8. August 1832 die „LeipzigerZeitung": zur Johannismesse in Posen habe man dies Stück auf-geführt, und „das aus Feigheit vor Kosciuszko fliehende Mädchenhabe eine preußische Uniform getragen". Der Regierungspräsidentder Provinz Sachsen, Herr v. Rochow, zwei Jahre später Ministerdes Innern, berichtete diese Lesefrucht am 11, August nach Berlin.Geheimrat Tzschoppe mußte zugeben, daß an der Sache etwasWahres sei, und eröffnete der Polizeidirektion in Posen „sofort dasNötige" (20. August).

Was Holtei dem König gegenüber wagte, übte er wie so manchanderer seiner Zeitgenossen dem Stumpfsinn der offiziellen Zensur-behörde gegenüber natürlich als Sport und mit besonderer Lieb-haberei. Noch wenige Monate vor dem Debüt seines „Alten Feld-herrn" hatte er gerade dem Berliner Zensor Geheimrat Grano, derihn längst „auf dem Strich hatte", einen Esel gebohrt. Als Gelegen-heitsdichter bewies Holtei eine bewundernswerte Produktivität, undwenn auch unter seinen Festgedichten, Prologen, Huldigungs-versen usw. viel schales Zeug ist, so stehen sie doch turmhoch überdem kindlichen Phrasengestammel, das sich, vor allem bei patrio-tischen Anlässen, in den Berliner Zeitungen breitmachte. Der alteSpener wußte das zu schätzen und hatte für seine „Berlinische privi-legirte Zeitung" bei Holtei ein Festgedicht zum Königsgeburtstag am3. August bestellt. So etwas ließ sich Holtei nicht zweimal sagen;er lieferte pünktlich ein Poem, das seiner glücklichen Idee halber